Leseproben

Artikel – Ergänzender Beitrag über die Suche nach Wayang Beber

von Karl Mertes

Wayang Beber – Eine Spurensuche

(Ergänzung zu dem Artikel „Panjis Weg nach Deutschland“ aus KITA 1-15)

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Jakarta hatte ich 1981 mit dem Fotografen Dieter Lotze eine Fotodokumentation zu Wayang Beber vorbereitet und eine Aufführung des einzigen vollständigen Sets des Bildrollen-Theaters in Jakarta organisiert.

In dem Buch von Kant-Achilles [Mally Kant-Achilles, Friedrich Seltmann, Rüdiger Schumacher – Wayang Beber. Das wiederentdeckte Bildrollen-Drama Zentraljavas. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 1990, ISBN 3-515-05169-4 ] habe ich die entsprechenden Erkundungen 1983 festgehalten (Auszug aus der Anlage II, S. 196 – 198 / hier in einigen Punkten sprachlich korrigiert):

Wayang Beber in Karang Talun

Das in relativ schlechtem Zustand befindliche Set aus Karang Talun (Gedompol / Bezirk Pacitan) habe ich mehrfach gesehen und mit dem Dalang, Pak Sarnen Gunacarita, mehrmals gesprochen: am 14.2.1981 in dessen Hof, am 6.6.1981 anlässlich einer Aufführung im Goethe-Institut in Jakarta und am 15.8.1981 nochmals in seinem Haus.

Beim ersten Besuch – auf Vermittlung des Wayang Kulit-Schnitzers und Malers Djumadi – beschaffte Sarnen die Rollen aus der Nachbarschaft. Er war zu dem Zeitpunkt etwa 60-70 Jahre alt und bespielte das Wayang seit seinem 35. Lebensjahr, nach drei Jahren Lehrzeit bei seinem Vater. Nach eigenen Angaben war er der Spielleiter in der 12. Generation und mit 15 anderen Familien im Wechsel verantwortlich für die Aufbewahrung der Rollen. Nur er verfügt über besondere magisch-mystische Kräfte (sakti / kesaktian), die das ‚wirkungsvolle’ Spiel überhaupt ermöglichen. Seitens des Vaters war eigentlich der ältere Bruder als Dalang vorgesehen. Da diesem jedoch das sakti abging, übernahm Sarnen die Funktion. Mittlerweile lernte Sarnens älterer Sohn Marto das Spiel, darf jedoch zu Lebzeiten von Sarnen selber noch keine Aufführung geben (Marto spielte im begleitenden Orchester mit).
Bei unserem Besuch war Pak Sarnen zunächst verständlicherweise zurückhaltend. Unsere Gruppe bestand aus zwei Deutschen und sechs Indonesiern, einschließlich Djumadi, der vorher schon in Kontakt zu Sarnen stand, da er als Maler Kopien der
Beber-Rollen anfertigen will. Nur durch den persönlichen Bekanntheitsgrad zwischen Pak Sarnen und Djumadi – und durch dessen Übersetzungshilfen aus dem Javanischen – konnten wir mit dem Dalang ins Gespräch kommen.

Nach dem Angebot eine Spende zahlen zu wollen, erklärte Sarnen sich bereit, die Rollen vorzuzeigen. An eine Aufführung war nicht zu denken. Es bestand kein unmittelbarer Anlass, und die Vorbereitungen wären zu aufwändig gewesen. Wir waren auch gar nicht in der Absicht angereist, eine Aufführung zu erbitten. Es ging vielmehr um erste Kontakte, damit später eventuell eine Aufführung in Jakarta zustande kommen könnte. Wir waren allerdings darauf eingestellt, die Rollen zu fotografieren, sofern sich eine Bereitschaft erkennen ließ.

Nach den ortsüblichen Höflichkeiten kam es dann auch dazu, dass der Dalang den Kasten öffnete – nicht, ohne vorher kurz zu meditieren und ein kleines Opfer zu bringen. Dann rollte er die Bilder ab und gab auf Javanisch eine knappe Inhaltsangabe, die uns von Djumadi übersetzt wurde. Wir nutzten die Gelegenheit und machten Dias sowie Fotos der einzelnen Bilder. Sarnen und die ihn unterstützenden Familienmitglieder waren ausgesprochen geduldig und hilfreich. Das Fotografieren und Erläutern zog sich etwa zwei Stunden hin, in praller Mittagshitze auf dem Hof vor dem Haus von Sarnen.

Fotos © Dieter Lotze, Karl Mertes - Dalang Pak Sarnen Gunacarita vor seinem Haus in Karang Talun am 14.2. 1981

Fotos © Dieter Lotze, Karl Mertes – Dalang Pak Sarnen Gunacarita vor seinem Haus in Karang Talun am 14.2. 1981

Unsere Anwesenheit hatte einige Aufmerksamkeit erregt. Nicht nur die Familienangehörigen waren auf dem Hof versammelt, sondern auch interessierte Nachbarschaft und vor allem Kinder, für die das ganze Spektakel natürlich eine willkommene Abwechslung zum dörflichen Alltag war.

Nach getaner Arbeit wurden wir mit kleinen Speisen bewirtet, nachdem zuvor darauf hingewiesen worden war, unser Spendengeld sei eben dafür benutzt worden. Mittlerweile hatte sich auch noch der Lehrer des Ortes eingefunden, der seinerseits nicht nur sprachkundig, sondern auch brani (mutig) genug war, uns eingehend nach dem Woher und dem Wohin und dem Weshalb zu befragen. Obwohl wir zu Beginn erklärt hatten, was uns in das Dorf geführt hatte und worin unser Interesse bestand, wurde das nun noch ausführlicher erörtert. So neugierig wir auf diese alten kulturellen Dokumente waren – so neugierig waren die Dorfbewohner auch auf uns, die Exoten am Ort. Schließlich traf noch ein Uniformierter ein. Der wollte nun auch ganz genau wissen, ob wir überhaupt legitimiert seien, derart argloses Interesse an den lokalen kulturellen Schätzen zu haben. Wortreiches und langes Palavern konnte uns doch nicht ersparen, dass wir auf dem Rückweg noch einen beträchtlichen Umweg machen mussten, um auf dem entfernt gelegenen Bezirksbürgermeisteramt unsere persönlichen Daten anzugeben. In Kenntnis derartiger Praxis in Indonesien hatten wir einen entsprechenden Brief des Goethe-Institutes mitgebracht, in dem das übergeordnete Interesse und unsere Funktion erläutert wurden. Das verkehrstechnisch sehr schlecht erreichbare Dorf verließen wir am Nachmittag und stießen erst in der Dunkelheit wieder auf die Hauptstraße nach Donoreja. Pak Sarnen hatten wir nach Jakarta eingeladen, und er hatte sein Kommen zugesagt.

Zum zweiten Treffen mit Pak Sarnen kam es am 6. Juni 1981 in Jakarta. Er war mit Frau, Sohn Marto und weiteren Gehilfen angereist (auf Vermittlung des Goethe-Institutes hatten sie einen Kleinbus gechartert). Die Gruppe war zu Gast bei Djumadi, der bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs große Kopien des Original-Sets angefertigt hatte.

Wayang Beber – Rolle 5, 3. Bild: Kampf auf dem alun-alun in Kediri, Prinz Panji links oben mit schwarzer Jacke

Wayang Beber – Rolle 5, 3. Bild: Kampf auf dem alun-alun in Kediri, Prinz Panji links oben mit schwarzer Jacke

Im Rahmen der üblichen Publikationen und Medien hatte das Goethe-Institut (damals in der Jalan Matraman Raya) auf die einmalige Vorstellung sowie die begleitende Ausstellung mit Djumadi-Bildern und Großfotos der Originale hingewiesen. In den Räumen des Goethe-Institutes war die große Halle leergeräumt und mit Bodenmatten ausgerüstet, die zum Sitzen auf dem Boden einluden. Das hatte nicht nur den Effekt eines ungezwungeneren und originelleren Zuschauens, sondern gewährleistete auch, dass keiner der Gäste höher saß als die Spieler auf der kleinen Bühne vorne.

Pak Sarnen kam mit seiner Gruppe in einer Art Prozession in traditioneller Kleidung in den Raum. Schon zu Hause hatten sie geopfert und nun auch das hier obligate Opfer dabei. Der Dalang platzierte sich vorne auf der Bühne, von seiner Frau assistiert. Weitere sechs Helfer, samt dem vierköpfigen Orchester, nahmen in dem üblichen Schneidersitz Platz. Sarnen saß hinter dem Spielkasten, sein Vortrag wurde durch ein Lautsprechersystem unterstützt. Außerdem nahm die staatliche Armee-Radiostation die Vorführung auf, um sie ein paar Tage später zu senden.

Etwa 50 Zuschauer sahen sich die Vorstellung für die ca. eineinhalb Stunden Spieldauer an. Führende Wayang-Experten aus den WayangMuseum und dem Nationalmuseum und dem Kultusministerium waren ebenfalls anwesend. Sie nutzten anschließend die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Dalang. Er war vor einigen Jahren schon einmal zu Gast in Jakarta, anlässlich einer Wayang-Konferenz.

Das Goethe-Institut hatte sich zu dieser Wayang Beber-Veranstaltung entschlossen, da es seine Aufgabe im Kulturaustausch sieht. Damit sollte den Indonesiern nicht nur deutsches Kulturgut nahegebracht werden, sondern umgekehrt das interessierte deutsche Publikum auch in Kontakt mit der lokalen Kultur treten können. Dazu gab es einen Laufzettel, auf dem kurz die einzelnen Szenen der Rollbilder erklärt waren, und eine ergänzende Broschüre mit einigen Hintergrund-Informationen (vgl. dazu den Artikel in KITA 1-15).

Pak Sarnen fuhr mit seiner Gruppe am nächsten Tag zurück. Die Vorführung war in Fachkreisen noch länger im Gespräch, hatte aber auch neuen Kreisen Interesse und Kenntnis vermittelt. Meine dritte Begegnung ergab sich Mitte August 1981, als ich mit einigen Freunden südlich von Solo war.

Unangemeldet wollten wir den Versuch wagen, Pak Sarnen einen Besuch abzustatten. Erste Probleme ergaben sich, als wir unterwegs nach dem Weg fragten und in Gedompol über den Bürgermeister die Zustimmung zu einem Abstecher in das unzugängliche Dorf einholen wollten. Erst nach einigen hitzigen Worten fand sich ein ortskundiger Begleiter.

Im Dorf Karang Talun mussten wir Pak Sarnen zunächst suchen – er war auf dem Feld. In seinem Hof hatte sich der Jakarta-Besuch offensichtlich niedergeschlagen, das Haus war erheblich vergrößert und mit einem Steinvorbau versehen. Wir wurden freudig begrüßt und sofort zu einem kleinen Imbiss geladen. Der örtliche Lehrer sowie andere Amts- und Würdenträger waren auch bald zur Stelle. Es ergab sich ein ungezwungenes Gespräch. Pak Sarnen erzählte noch stolz von dem Jakarta-Aufenthalt, er hatte sich dort sehr wohl gefühlt. Er beklagte allerdings die große Hitze und die vielen Mücken in der viel zu großen und unübersichtlichen Stadt.

Zwischenzeitlich hatte er wohl auch noch eine Vorführung im Ort gegeben, aus dem vertrauten Anlass einer drohenden Krankheit. Sarnen selber war gut aufgelegt und wollte ganz ungezwungen beantworten, was wir noch an Hintergründen in Erfahrung bringen wollten. Der Dorflehrer zog allerdings stattdessen das Gespräch an sich und tat uns wenig Neues kund, stellte jedoch sein eigenes Wissen unter Beweis. Anlass für diesen Besuch war lediglich das Bemühen, in Kontakt bleiben zu wollen, und rückzumelden, dass es uns seinerzeit nicht nur um das Arrangement für eine Aufführung gegangen war.


 

KITA 1991 – 2006
Fünfzehn Jahre Magazin der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft

„Es ist Aufgabe unserer Deutsch-Indonesischen Gesellschaft, die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu pflegen und zu vertiefen. . . . Möge dieses Blatt seine Bestimmung erfüllen, uns immer neue Freunde bringen und dazu beitragen, unsere Freundschaft zum indonesischen Volk immer enger zu gestalten“. So ein Zitat des seinerzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Trimborn im Vorwort der im Oktober 1953 erstmals veröffentlichten „Mitteilungsblätter der DIG“. Initiatorin und verantwortlich war bis zur letzten Ausgabe im Oktober 1968 die unvergessene Professorin Irene Hilgers-Hesse der Universität zu Köln.

Es gingen dann 23 Jahre ins Land, bis wir 1991 – im Nachgang zum 40jährigen Bestehen unserer Gesellschaft – das „DIG-Magazin“ ins Leben riefen. Vier Jahrzehnte hatte die Deutsch-Indonesische Gesellschaft sich bereits auf vielfältige Art und Weise um einen Informationsaustausch, die Vorstellung von Ideen und Erfahrungen, um Begegnungen zwischen Menschen bemüht.

Grundgedanke all dieser Bemühungen war, dass eine breite Kommunikation über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Indonesien und Deutschland in Gang gehalten werden sollte. Üblicherweise geschah dies durch Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und informeller Gespräche. Die ehemaligen „Mitteilungsblätter“ hatten diese Kommunikation in einer bemerkenswerten Form bewerkstelligt. Zwischenzeitlich hatte sich die Landschaft jedoch geändert: Es waren mehr als zehn vergleichbare regionale Gesellschaften in der Bundesrepublik entstanden, die voneinander wussten, aber keinen organisatorischen Zusammenhalt pflegten.

Vor diesem Hintergrund wuchs die Idee, dass ein Magazin die Verbundenheit der verschiedenen DIG einerseits und die Publizität und öffentlichkeitswirksame Behandlung bilateraler Fragen andererseits befördern könne. Der Rückblick auf vierzig Jahre DIG bot 1990/91 somit zugleich den Anlass für einen Ausblick.

Durch eine Anpassung des Beitrages für die Mitglieder der DIG Köln war es möglich, den Druck sowie den Versand der Hefte zu finanzieren; als Vereinsmitglied erhält man seither automatisch das Magazin. Im Laufe der Zeit wurden auch externe Abos eingerichtet. Übrigens gibt es unterdessen mehr Abonnenten als Vereinsmitgliedschaften der Kölner DIG.

Als Verlag trat anfangs die Galerie Smend auf, später Omimee – Intercultural Publishers; seit 1997 erscheint das Magazin dann im Selbstverlag der DIG. Ab 1995 hatten wir den Titel geändert und KITA gewählt, was im Indonesischen „Wir“ bedeutet, das Gegenüber mit einbeziehend.

Die Themenwahl folgt mittlerweile dem Schema die Hefte jeweils einem Sachthema im Wechsel mit Abhandlungen über eine Region zu widmen. Seit Jahren prägt Peter Berkenkopf mit seinen Skizzen die Illustrationen von KITA und gelegentlich ergänzen Fotos einzelne Artikel – hierzu wünschen wir uns sehr wohl noch Zulieferungen der Leser.

Über die zurückliegenden 15 Jahre ist fraglos ein weit gefächertes Bild Indonesiens in KITA dokumentiert worden: Originalbeiträge und originelle Hinweise, Buchbesprechungen und ein Fundus an Übersetzungen insbesondere zeitgenössischer Poesie machen die Sammlung von KITA zu einem Zeugnis aktueller Beschäftigung mit dem Land und seinen Menschen. Die Idee, KITA als ein Forum des Meinungs- und Erfahrungsaustausches zwischen Lesern zu etablieren, hat sich leider nicht verwirklicht. Leserbriefe, Reaktionen, Zuspruch oder Widerspruch gehen kaum ein.

Dank will ich an dieser Stelle vor allem Helga Blazy und Hiltrud Cordes sagen, die sich von Anbeginn an um KITA bemühen und unermüdlich einsetzen, seit einiger Zeit durch Rüdiger Siebert in der Redaktion verstärkt.

Doch als Chronist will ich nicht nur zurück blicken. Ergänzend zu KITA haben wir seit dem vergangenen Jahr eine eigene Website im Internet eingerichtet < www.dig-koeln.de>, Dort haben wir die zeitgemäße Möglichkeit, über die gedruckte Dokumentation im Magazinformat hinaus jeweils aktuell auf Ereignisse und Termine einzugehen. Auch dort hängt die Attraktivität und Relevanz davon ab, ob und wie die Leser reagieren und Ideen zuliefern. Was wir beabsichtigen ist schließlich nicht mehr, als schon 1953 formuliert wurde, nämlich „… die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu pflegen und zu vertiefen.“

Karl Mertes
Präsident der DIG


Verdienstvolle Vielfalt des Forums aus Köln
– 15 Jahre KITA –

Als die Deutsch-Indonesische Gesellschaft (DIG) Köln im Mai 1990 mit einer Reihe von kulturellen Veranstaltungen festlich ihr 40-jähriges Bestehen beging, wurde auch beschlossen, ein früher von der Gesellschaft publiziertes Magazin, das in den 60er Jahren sein Erscheinen einstellen mußte, neu herauszugeben. Dieses neue Magazin sollte drei- bis viermal im Jahre erscheinen und über die Arbeit der DIG im Köln-Bonner Raum informieren. Aber es richtete sich auch an Indonesien interessierte Menschen in anderen Regionen Deutschlands, diese wollte man als Leser und zur Mitarbeit gewinnen. Es sollte ihnen z.B. Gelegenheit gegeben werden, eigene Forschungsergebnisse vorzustellen, oder über Reiseerlebnisse und Einschätzungen dortiger Entwicklungen zu berichten. Auch Indonesier sollten ihre Erfahrungen und Kommentare zu Entwicklungen in Deutschland oder Europa in dem Magazin zur Diskussion stellen können. Daneben waren Rezensionen und Ankündigungen von Neuerscheinungen sowohl auf dem hiesigen wie auf dem indonesischen Büchermarkt vorgesehen. Alles in allem also ein recht anspruchsvolles Programm, um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern zu stärken, ihr unterschiedliches Verhalten auf Grund der Kenntnis ihrer spezifischen Geschichte und Kulturen besser verstehen zu lernen, mehr über die bisher schon bestehenden Beziehungen zu erfahren und dazu ein echtes Forum für den deutsch-indonesischen Gedankenaustausch zur Verfügung zu stellen.

Um ein so anspruchsvolles Programm verwirklichen zu können, waren ein wachsender Kreis von Abonnenten, aber auch weitere finanzielle Zuschüsse notwendig. Letztere erhoffte sich die DIG unter ihrem rührigen neuen Vorsitzenden Karl Mertes, einem Indonesien-erfahrenen Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk, wegen der Vielfalt der schon bestehenden kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Verbindungen im Köln-Bonner Raum zu Indonesien erschließen zu können. Nicht weniger wichtig aber war die Bereitschaft der Mitglieder des Redaktionsteams, viel von ihrer privaten Zeit zu investieren, um geeignete Beiträge zu beschaffen, zu redigieren, Übersetzungen anzufertigen und dann für eine fristgerechte Drucklegung zu sorgen. Das große Vorbild für unermüdlichen und uneigennützigen Einsatz für die Förderung der deutsch-indonesischen Beziehungen war die langjährige Geschäftsführerin der DIG, die Professorin der Kölner Malaiologie Irene Hilgers Hesse, die auf ihre Weise durch die Jahrzehnte hindurch ein Garant für den Fortbestand der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft geblieben war und auch bei diesem Neubeginn noch mit Rat und Tat zur Verfügung stand. Aus ihrem Schülerkreis rekrutierten sich schließlich auch die aktivsten Mitarbeiter im Redaktionsstab des neuen Magazins: Die Literatur- und Sprachwissenschaftlerin Helga Blazy und die Ethnologin Hiltrud Cordes, sodann die aus dem Batakland in Sumatra stammende Ehefrau von Karl Mertes, Lena Simanjuntak, sowie Karin und Rudolf Smend von der Galerie Smend, welche neben dem Rautenstrauch-Joest-Museum die Arbeit der DIG im Kölner Raum schon immer aktiv unterstützt hatten. Daneben konnte sich die Redaktion auf die Mitarbeit von bestens mit Indonesien vertrauten weiteren Mitgliedern der DIG verlassen, wie z. B. auf die des Leiters des Indonesienprogramms der Deutschen Welle, Rüdiger Siebert, der mittlerweile auch zum Redaktionsteam gehört.

Die ersten Hefte des neuen DIG-Magazins erschienen seit 1991 zunächst noch unter diesem alten Namen. Im ersten Heft des Jahres 1995 hieß es dann, der neue Titel des Magazins laute ab jetzt KITA oder “Wir”. Der Vorsitzende der DIG merkte dazu in einem Editorial an, die Sprachkundigen wüßten, was damit bezweckt werde. Mit kita seien auch die Angesprochenen (im Gegensatz zu kami, dem anderen indonesischen Begriff für „Wir“) in die “Wir-Gruppe” mit einbezogen. KITA stehe also für etwas Gemeinsames zwischen Deutschen und Indonesiern und sei damit die adäquate Bezeichnung für das Hauptanliegen der Zeitschrift, ein Forum für bilaterale kulturelle Belange zu sein.

Was waren diese Belange? Es wurde schon angedeutet, dass das Magazin in erster Linie Wert auf Indonesien bezogene Informationen legte, z.B. darauf, was im Kölner Raum, aber auch darüber hinaus an Wissenswertem geschah, gleich, ob es sich um Indonesien betreffende wissenschaftliche Konferenzen (auch im Ausland), um Ausstellungen, Dichterlesungen, Filmvorführungen, um Rückblicke oder Nachrufe, um Portraits verdienter Persönlichkeiten, um Aktivitäten von Deutsch-Indonesischen Gesellschaften in anderen Bundesländern oder schlicht um Ankündigungen von neuen Buchpublikationen handelte: KITA sollte in all den kommenden Jahren hier vorbildliche Informationsarbeit leisten und wurde, bei aller organisatorischen Selbständigkeit der anderen Gesellschaften, soweit dem Schreiber bekannt, stets als primus inter pares unter den Indonesien betreffenden Informationsquellen anerkannt. Aber KITA wollte ja nicht nur Kommunikationsträger sein, sondern seine Spalten auch einer Analyse der Kulturen und der Geschichte der bislang noch weitgehend unbekannten deutsch-indonesischen Beziehungen öffnen. Dazu war eine bessere Kenntnis der indonesischen Völker, ihrer Geschichte, ihrer Geographie, Politik, Religion und einer Vielzahl weiterer Probleme des weitgestreckten Inselreiches einfach Voraussetzung. Deshalb ging man schon frühzeitig dazu über, jedes Heft einem Schwerpunktthema zu widmen, wobei das jeweilige Thema von möglichst vielen unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden sollte. Es wurde versucht, soweit in einem Magazin möglich, neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln, daneben sollten aber auch Gedichte, Kurzgeschichten, sowie Abhandlungen über Musik, Architektur und Malerei Hintergrundinformationen über die mit dem Thema verbundenen kulturellen und künstlerischen Aspekte vermitteln, wenn möglich ergänzt durch privat gewonnene touristische Einsichten. Mit diesem Ansatz, der Vielseitigkeit eines Themas durch eine Vielfalt von Interpretationsversuchen gerecht zu werden, hat sich KITA nach meiner Ansicht seine besondere Bedeutung verschafft.

Schon im zweiten Heft des neuen Magazins wurde anläßlich der Batak-Ausstellung (1990) im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln “Mit den Ahnen leben” durch das Eingehen auf Besonderheiten der Batak-Völker im Norden Sumatras ein solcher Schwerpunkt eingeführt. Hiltrud Cordes als “Redaktions-Ethnologin” und eine Batak-Studentin aus Nordsumatra kommentierten die von Achim Sibeth initiierte Ausstellung mit recht unterschiedlichen Bewertungskriterien, wobei sowohl wissenschaftliche Analysen als auch persönliche Erfahrungen die Beurteilungen beeinflußten. Daneben wurde als literarischer Teil eine von Helga Blazy übersetzte Batak-Fabel über eine für die Weltanschauung und gesellschaftliche Rangordnung der Batak aufschlussreiche “Ratsversammlung der Vögel” aus dem Jahre 1916 abgedruckt, die bei der 40-Jahr-Feier der DIG unter der Regie von Lena Simanjuntak von Kölner Studenten als Theaterstück aufgeführt worden war. Schließlich gab es noch einen Beitrag über das bataksche gondang-Orchester, und über die Formen und die Bedeutung von Trommeln, Gongs und Flöten-Musik bei den verschiedenen Batak-Völkern Sumatras.

Diese “multidimensionale” Annäherung an Besonderheiten und Selbsteinschätzung der vielen in der Inselwelt lebenden Völker und Stammesgemeinschaften hat es im Laufe der folgenden Jahre in den einzelnen Heften von KITA bis in die jüngste Zeit immer wieder gegeben: Genauer vorgestellt wurden bereits Krisenregionen wie Aceh oder West-Papua, Großstädte wie Jakarta, Yogyakarta oder Surabaya, sodann bislang für viele vielleicht nur dem Namen nach bekannte Gebiete wie Riau, Madura, Flores, Sumbawa, Lombok oder Teile von Kalimantan, wie die Gebiete um den Mahakam oder die der Ngadju-Dayak. Wenn man sich die Karte Indonesiens ansieht, bleibt also noch Stoff genug für viele Jahre weitere Vorstellungen von KITA.

Dem gleichen Muster unterschiedlicher Erklärungsansätze folgen die Hefte, die Sachthemen gewidmet sind. So gibt es Hefte, die die Natur Indonesiens zum Thema haben, seine Wasserfülle, seine Urwälder und seine Berge und Vulkane, wobei natürlich nicht die Fakten als solche, sondern deren Bedeutung sowohl für die dort lebende Bevölkerung, als auch für Fauna und Flora der Region im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Auch hier gelingt es den Herausgebern immer wieder, durch die Einfügung von Gedichten und zum Thema passenden Kurzgeschichten den sachlich dargestellten Zusammenhängen eine zusätzliche kulturelle Dimension zu verleihen. Wichtig ist der multidimensionale Ansatz andererseits auch bei Heften, die sich schwerpunktmäßig mit der reichen Tradition indonesischer Kunst und Malerei, mit den Tempelanlagen sowie mit Tanz und Literatur und der Herstellung von Textilien beschäftigen, wobei nicht nur das historische Entstehen sondern auch die Funktionen in neuerer Zeit Berücksichtigung finden. Auf diese Weise hat KITA in den vergangenen 15 Jahren in gefälliger Weise den Freunden Indonesiens Einsichten in das Leben und die Vorstellungen seiner Bewohner vermittelt, die sonst so einfach nicht zu haben sind.

Besonders gefordert ist die Differenzierung bei der Darstellung von Problemfeldern in der indonesischen Gesellschaft wie die Stellung der Frau, Gender-Fragen oder dem Nebeneinander der verschiedenen Religionen. Von offizieller Seite wird unter Verweis auf Adat-Traditionen und Pancasila-Ideologie oft geleugnet, dass es solche Problemfelder überhaupt gibt. Aber bei der Lektüre der diesen Themen von KITA gewidmeten Beiträge ist man sich dessen nicht mehr so sicher. Was die Stellung der Frau in der Gesellschaft betrifft, kann man inzwischen davon ausgehen, dass seit dem Drängen von Raden Adjeng Kartini, der emanzipationsfreudigen Regententochter aus dem nördlichen Java im frühen 20. Jahrhundert (die 1991 im ersten Heft des neuen Magazins von Helga Blazy eine schöne Würdigung erfährt) die traditionell geforderte Unterwürfigkeit auch in konservativen und aristokratischen Kreisen (wie schon früher in den freieren Adat-Gemeinschaften auf den sogenannten “Außeninseln” ) inzwischen der Vergangenheit angehört. Bei den in Indonesien anzutreffenden Homosexuellen und Transsexuellen, den waria (aus wanita und pria), denen eines der letzten Hefte von KITA (2/05) gewidmet ist, gibt es jedoch bei aller Bereitschaft der Indonesier zur Toleranz, wie in den einzelnen lesenswerten Beiträgen anschaulich gezeigt wird, durchaus noch Probleme der Akzeptanz. Wirklich gefährdet scheint in letzter Zeit durch die unübersehbare Radikalisierung bestimmter islamischer Gruppen jedoch das jahrhundertelange friedliche Nebeneinander der verschiedenen Religionen.

Zu diesem Thema hat KITA bereits vor 10 Jahren ein Heft herausgegeben (1/96), in dem sich ausgewiesene Sachkenner sowie Literaten und Anhänger der Lehre des Propheten zur Situation des Islams in Indonesien äußern. In jener Zeit – fünf Jahre vor den Attacken des 11. September 2001 in den USA -, in der sich ein möglicher Wandel der friedlichen Beziehungen zwischen den Religionen erst andeutete, erschien dem gut informierten Kenner der Verhältnisse in Indonesien, dem Jesuitenpater Franz Magnis Suseno, eine Machtübernahme durch einen radikalen, fundamentalistischen Islam in Indonesien noch „ausgeschlossen” (KITA 1/96, S.24). Ob er diese Möglichkeit heute, nach dem Auftreten radikaler Organisationen wie der Pembela Islam und der Laskar Jihad und den Terrorakten der sogenannten Jemaah Islamiyah noch ebenso kategorisch ausschließen würde, ist mir nicht bekannt. Er hatte gute Argumente bei seiner damaligen Fragestellung “Indonesischer Islam – Wohin?”, die für Leser, die eine Anrwort auf diese Frage suchen, auch heute noch ihre Bedeutung haben. Er verweist auf die großen islamischen Organisationen Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah, die beide nicht als fundamentalistisch, sondern eher, wie die Mehrheit der islamischen Intellektuellen, als überzeugte Verfechter von Toleranz und Minderheitenschutz angesehen werden könnten. Erst recht gelte das für die große Mehrheit der Bevölkerung, die dem abangan-Islam oder Synkretismus aus islamischen und vor-islamischen Vorstellungen anhängen und eine kulturelle Hegemonie des Islams ablehnen würden. Als weiteren Hinderungsgrund sah er das Militär, das eher der abangan- als der stärker auf islamische Vorschriften bestehenden santri-Kultur zuzurechnen sei. Dennoch räumt Magnis-Suseno ein, dass der Islam in Zukunft in der indonesischen Politik eine sehr viel bedeutendere Rolle spielen werde als in der Zeit Suhartos, die sich damals langsam ihrem Ende näherte. Jedenfalls ist aus seiner Beurteilung eine gewisse Besorgnis erkennbar, die der Islam-Wissenschaftler Bassam Tibi im gleichen Heft offensichtlich nicht teilt. Er sieht den indonesischen Islam geradezu als Modell für die islamische Zivilisation im Übergang zum 21. Jahrhundert, weil ihm wegen seines Verzichts auf gewaltsame Verbreitung religiöser Vorstellungen und Demütigungen nicht-islamischer Gruppen ein beachtenswerter wirtschaftlicher Aufstieg gelungen sei, den sich andere islamische Völker nur wünschen könnten. (Es war kurz vor der Asienkrise, die bekanntlich das indonesische Wirtschaftswunder als eine vorwiegend auf Krediten basierende Günstlingswirtschaft des Kreises um Suharto entlarvte.) Zum besseren Verständnis des indonesischen Islams bringt das Heft des weiteren Übersetzungen von frommen Gedichten und religiös gefärbten Erzählungen aus dem Alltagsleben, Berichte über die Einstellung indonesischer Muslime zur Geburtenkontrolle und zur damals noch bedeutsamen Al Arqam-Bewegung, sowie Ausschnitte aus Debatten über Salman Rushdies Satanische Verse und über die Frage, ob Euthanasie bei AIDS-Kranken nach islamischer Ansicht statthaft sei.

Diese Fülle von Beiträgen in einem Themen-Heft wurde bewusst etwas ausführlicher referiert, weil ihre Auswahl nach unserer Ansicht hervorragend zeigt, wieviel dem Redaktionsteam an einer möglichst umfangreichen Information gelegen ist. Das Ziel dabei war offensichtlich nicht nur, dass sich die Leser bei einem wichtigen Thema ein eigenes Urteil bilden konnten, sondern auch, dass sie ihr Gegenüber (im Sinne von “kita“) bei seinen von ihm getroffenen Entscheidungen verstanden! Denn dies, wie erwähnt, zeichnet KITA vor anderen Magazinen aus: Eine Fülle sonst nur schwer zugänglicher Informationen bringen alle, um Hintergrundinformationen und Literaturangaben bemühen sich viele, doch diese Kombination von Annäherungen an ein Thema unter Berücksichtigung möglichst vieler Perspektiven, die oft erst durch zeitraubende Übersetzungen erschlossen werden können, diese Mühe machen sich nur wenige! Dies ist wirklich ein Grund, der Redaktion und ihren Mitarbeitern nach 15 verdienstvollen Jahren zu ihrer Arbeit zu gratulieren und den Lesern noch manches Folgejahr in ähnlicher Qualität zu wünschen. An Themen mangelt es nicht!

Bernhard Dahm
Prof. em. Universität Passau


Aus der Redaktion . . .

Zum 15. Jubiläum des Erscheinens von KITA (früher DIG-Magazin) möchte ich als Redakteurin der ersten Stunde einen Blick – gewissermaßen von innen nach außen –
auf all diejenigen werfen, die zum Bestehen unserer Zeitschrift beitragen. Ihnen allen gilt unser Dank, weil KITA ohne sie nicht existieren würde!

Anläßlich dieses Jubiläums beschloss die Redaktion, den Inhalt der Jahrgänge 1997 bis 2005 noch einmal komprimiert zu veröffentlichen – ähnlich wie bereits in Heft 2/1997 die Inhalte der bis dahin erschienenen Jahrgänge 1991-1996 abgedruckt worden waren. Leider verfügen wir über keine Möglichkeit, diesen Vorgang zu automatisieren, und deshalb blieb uns nichts anderes übrig, als Heft für Heft die Inhaltsverzeichnisse abzutippen und die jeweiligen Beiträge den Kategorien „Hautpartikel + Reports“, „Buchbesprechungen“, „Gedichte + Liedtexte“, „Märchen + Kurzgeschichten“ sowie „Heute vor …“ zuzuordnen.

Was in diesem Zeitraum, also den letzten neun Jahren, an Beiträgen zusammengekommen ist, hat mich selbst dann doch erstaunt: z.B. 65 Buchbesprechungen und 87 Übersetzungen von Gedichten und Liedern!

Bei Durchsicht der Inhaltsverzeichnisse und anschließender alphabetischer und chronologischer Sortierung nach Autorennamen sprangen mir unwillkürlich bestimmte persönliche Favoriten unter den Beiträgen ins Auge, an die ich mich auch nach Jahren noch gut erinnern kann, es wurde noch einmal deutlich, wann welcher Autor oder welche Autorin zu uns gestoßen ist, und natürlich, welche Autoren als treue „Stammlieferanten“ das Weiterbestehen unserer Zeitschrift wesentlich mittragen.

Neben den vielen Beiträgen, die in der Redaktion (der „Löwenanteil“ liegt bei meiner Kollegin Helga Blazy) aus bereits erschienenen Werken – neuerdings auch öfters aus dem Internet – zu den jeweiligen Schwerpunkt-Themen zusammengesucht, redigiert und übersetzt werden, gibt es Artikel, die eigens für KITA verfasst werden. Letztere sind uns natürlich die liebsten, doch allein aus diesen Beiträgen ließe das Heft sich nicht füllen.

Unter den Autoren und Autorinnen, die eigens für KITA schreiben, lassen sich sich wiederum zwei Gruppen unterscheiden: die „Spezialisten“, ausgewiesene Kenner einer bestimmten Materie, und die „Allrounder“, die immer wieder für Überraschungen gut sind. Dazu muss angemerkt werden, dass wir beileibe nicht alle unsere Autoren persönlich kennen; viele sind uns gerade nur deshalb namentlich bekannt, weil sie sich mit Einsendungen zu bestimmten Themen als Kenner verschiedenster Sachgebiete empfohlen haben.

Ein „Allrounder“ ist zweifellos unser Kölner Freund Hans B. Budzyn, der seit vielen Jahren als Reiseleiter (nicht nur in Indonesien) tätig ist. Er ist nicht nur weitgereist, sondern bewies sich im Laufe der Jahre ebenso als Kenner indonesischer Musikkulturen wie als Liebhaber indonesischer Baumsorten und Waldtypen. Ebenso hat Rüdiger Siebert, ehemaliger Leiter des Indonesischen Programms der Deutschen Welle und seit 2003 Mitglied des Redaktionsteams, Beiträge zu unterschiedlichsten Themen und Regionen in Indonesien verfasst.

Zahlreicher sind die „Spezialisten“, deren Expertise für manche Themen bekannt ist. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen: Zu ihnen zählen die (Ost-)Java-Kennerin Lydia Kieven, der Militär-Experte Ingo Wandelt, die Flores-Spezialistin Patricia Wackers sowie Lena Simajuntak, die u.a. über ihre Theaterarbeit mit Gruppen unterprivilegierter Frauen in Indonesien schreibt.

Die Übersetzungen indonesischer Gedichte und Kurzgeschichten übernahm bis vor kurzem fast ausschließlich Helga Blazy; seit Anfang 2004 erhält sie Unterstützung durch Michael Groß aus München. Auch Bettina David übersetzt immer wieder einmal Texte, wobei sie sich besonders für populäre Songtexte und dangdut-Musik zu interessieren scheint.

Mit Buchbesprechungen belieferte uns eine zeitlang John-Michael Kästner, und auch der Präsident der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft Karl Mertes, ein ausgesprochener „Viel-Leser“, versorgt uns regelmäßig mit Rezensionen.

Als Magazin der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft haben uns von Anfang an natürlich besonders solche Persönlichkeiten interessiert, die als Wissenschaftler, Reisende oder Künstler das jeweils andere Land erforscht oder aus ihrer Sicht dokumentiert haben. Nicht so einfach ist es, Sichtweisen und Blicke von Indonesiern auf Deutschland einzufangen, doch neben historischen Persönlichkeiten wie dem Maler Saleh (s. Tronicke, Jutta: „Ein Javaner in Maxen – Sonderausstellung über Raden Saleh im Heimatmuseum“, Heft 2/04) gibt es auch einige Zeitgenossen, die über ihr Leben in Deutschland geschrieben haben (s. z.B. Dewabrata: „Wie ich im Tal der Isar kultiviert wurde“, Heft 1/00).

Doch wer umgekehrt an Deutschen interessiert ist, die sich in der Vergangenheit um die Erforschung des indonesischen Inselreiches verdient gemacht haben, stößt beim Studium der Inhaltsverzeichnisse auf viele bekannte und weniger bekannte Namen: über Franz Wilhelm Junghuhn, Ernst Haeckel und Adolf Bastian bis hin zu Carl Anton Schwaner, dem Entdecker des nach ihm benannten Gebirges in Kalimantan (s. Maesel, Markus M.: „Ein Mannheimer in Indonesien – der Naturforscher Dr. Schwaner“, Heft 1/05), Adolf Bernhard Meyer (1840-1911), dem langjährigen Leiter des Naturhistorischen Museums in Dresden und Erforscher der indonesischen Tierwelt (s. Martin, Petra: „Kuskus und Tarsius – Zoologische Besonderheiten auf Sulawesi“, Heft 1/06) und – ganz aktuell in diesem Heft – Caspar Georg Karl Reinwardt (1773-1854), einem deutschen Botaniker, der erster Direktor des Botanischen Gartens in Bogor war (s. Zahorka, Herwig).

Neben den Autoren, die mit ihren Beiträgen die Grundlage unserer Zeitschrift liefern, gibt es noch weitere Personen(-kreise), ohne die KITA nicht existieren könnte. Da wären der Zeichner Peter Berkenkopf, Redaktionskollegen wie Hendra Pasuhuk, der uns einige Jahre begleitete, verschiedene Grafiker, denen die äußere Erscheinung von KITA zu verdanken ist und natürlich – last but not least – die Leser.

Von unseren Lesern haben wir im allgemeinen recht wenig gehört und uns oft gefragt, ob dies nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sei. Immer wieder haben wir zur Mitarbeit aufgerufen, um Meinungen, Kommentare und Bilder gebeten, und gelegentlich kamen auch Manuskripte von Lesern, über die wir uns immer besonders gefreut haben. Ganz selten einmal trafen uns empörte Proteste, wie zuletzt geschehen, als eine Abonnentin kündigte mit dem Hinweis darauf, Themen wie „Cross Gender – Grenzgänge zwischen den Geschlechtern“ würden sie nun ausdrücklich nicht interessieren. Also haben wir weitgehend gehofft, dass auch für KITA gilt, was das Sprichwort sagt: „Wer schweigt, stimmt zu.“

Ach ja, meine persönliche Favoriten: das Gedicht „Istri – Ehefrau“ von Darmanto Yatman (Heft 2/99), weil es mehr über die Stellung der javanischen Frau in der Gesellschaft aussagt als so manche dickwandige Studie und die Kurzgeschichte „Radio“ von Bakdi Soemanto (Heft 1/98) mit einer tollen Illustration, weil der Leser auf spannende und humorvolle Weise viel über die Welt des wayang erfährt.

Hiltrud Cordes
KITA-Redakteurin

 


 

Rezensionen

„Die Denker des Dschungels – Der Orangutan-Report“
Rezension von Suzanne Cords
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Von sundanesischen Königen und beschriebenen Steinen
Eine archäologische Bestandsaufnahme
in West-Java
von Herwig Zahorka
Rezension von Rüdiger Siebert
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Juwelen aus dem Regenwald – Panji und Sekar Taji von Otto Abt
Rezension von Karl Mertes
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Jakarta: Ein neuer Straßenaltlas
und ein Stadtführer zu historischen Stätten
von Adolf Heuken
Rezension von Karl Mertes
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Ayu Utami
Eine literarische Schrittmacherin mit „Saman“
Rezension von Karl Mertes
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Cinta di tengah kengerian perang – Surat-surat Penghabisan dari Stalingrad – Abschiedsbriefe aus Stalingrad/
Rezension von Karl Mertes
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Ein neuer Blick auf eine alte Kultur – Christine Schreiber stellt ihr Buch über die in Sumatra lebenden Batak vor/
Rezension von Karl Mertes
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Ursel Newigers Kinder des Feuergottes – Eine Geschichte aus Ostjava Rezension/
von Hiltrud Cordes
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Martin Jankowski: „Indonesisches Sekundenbuch – Detik-detik Indonesia“/
Rezension von Karl Mertes
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Die Erde tanzt und bebt – der Himmel weint: „Erdentanz“ von Oka Rusmini/
Rezension von Karl Mertes
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Seri Puisi Jerman – Rilke (Band 1) / Bertold Brecht (2) / Paul Celan (3).
Herausgegeben und bearbeitet von Agus R. Sarjono und Berthold Damshäuser/
Rezension von Karl Mertes
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Andrea Fleschenberg „Osttimor – Vier Jahre Unabhängigkeit
Soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklungen“/
Rezension von Rüdiger Siebert
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Indien nordwärts Wo einst der Pfeffer lockte: Von Kerala bis Gujarat/
Reisereportagen von Rüdiger Siebert Rezension von Karl Mertes
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Berichte aus einer versunkenen Zeit
Therese von Bacherachts Java-Briefe aus den Jahren 1850 bis 1852/
Rezension von Rüdiger Siebert
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Von der Kunst der Musterung mit Wachs
Batik-Kostbarkeiten aus der Sammlung Smend als bibliophile Augenweide/
Rezension von  Rüdiger Siebert
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Minderheit im eigenen Land
Westpapua befreien: Sabine Kuegler schreibt mit engagierten Bestsellern gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Ureinwohner Westpapuas an Rezension von Thomas Wagner
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Leseproben

(mit freundlicher Genehmigung des Horlemann-Verlags)

Hiltrud Cordes: Von Inseln und Endemiten
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Hiltrud Cordes: Nur ein Orang Utan weiß, was ein Orang Utan denkt
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Petra Martin: Kuskus und Tarsius – Zoologische Besonderheiten auf Sulawesi
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Rüdiger Siebert: Indonesien: Hallo, hallo Bandung!
Auf einer der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt zum einstigen Paris von Java – Von der Küste zu vulkanische Höhen
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Rüdiger Siebert: TUAN GILA – Wissenschaftler und Weltenbummler
Ein „verrückter Herr“ wandert am Äquator
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Rüdiger Siebert: Herausforderung Indonesien
Macht, Kritik, Befreiung – Niederländische Kolonialgeschichte im
Spiegel deutscher Lebensläufe
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Rüdiger Siebert: Indonesiens Beitrag zur Weltliteratur
Pramoedya Ananata Toer
(1923 – 2006)
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Herwig Zahorka:

Arca Domas – ein deutscher Soldatenfriedhof in Indonesien
In Kita 1/01 erschien der Bericht „Arca Domas – ein deutscher Soldatenfriedhof in Indonesien“ von Herwig Zahorka. Eine erweiterte Version mit Fotos hat der Autor jetzt in deutscher und in indonesischer Sprache im Internet veröffentlicht:
www.bogor.indo.net.id/indonesien.deutschersoldatenfriedhof/

Die indonesische Version „Sejarah dari Tugu Peringatan Pahlawan Jerman di Arca Domas, Indonesia“ findet sich unter der Adresse:
www.bogor.indo.net.id/indonesia.tuguperingatanjerman/

Gunter Konrad, Ursula Konrad, Caroolina Winkelmann: ZUR KULTUR DER ASMAT
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Karl Mertes: Modellschule in Bingkat / Nordsumatra
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Karl Mertes: Irene Hilgers-Hesse 1905 – 2004 (Nachruf)
jetzt lesen

Zur Frühzeit der deutsch-indonesischen Beziehungen: Heinrich Seemann
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Rüdiger Siebert: Beitrag Timmermann für KITA
Aus der Soester Heimat in die Welt
Zur Erinnerung an Prof. Dr. Otto Friedrich Timmermann, langjähriger Präsident der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft Köln
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