Rassismus in Games

Quelle: capcom

Wie alle Medien vermitteln Games Klischees und Vorurteile, oder vielmehr spiegeln sie die Werte der jeweiligen Gesellschaft und können mit netnographischen Mitteln analysiert werden. Sie geben uns Auskunft über die Konflikte einer Gesellschaft und ihren Umgang damit. Beim Thema Vorurteil und Ressentiments fallen neben sexistischen Klischees vor allem rassistische ins Gewicht. Zum Thema Frauen in Games habe ich bereits einen Blog-Eintrag mit einem Interview veröffentlicht.

Popkultur in Schwarz-Weiß

Games sind als Popkultur im Mainstream einfach gestrickt. Gut und Böse, wir und die Feinde.

Daher ist es wenig erstaunlich, dass sie schwarz-weiß Figuren zeichnen und holzschnittartig daher kommen. Warum auch nicht, es sind Spiele! Es gibt Spiele, die es dem Gamer nicht so bequem machen wollen und Klischess durchbrechen, so dass der Held moralisch fragwürdig wird und die Gegner nicht nur böse sein müssen, wie es das Game „Spec Ops: The Line“ der Berliner Games-Schmiede Yager versucht. Aber das sind Ausnahmen und relativ erfolglos. Warum wohl? Weil der Konsument nicht belastet werden möchte? Nein. Man darf die Spiele moralisch und ethisch nicht überfrachten. Ihre popkulturelle Narration hat wie beim Film eine gesellschaftliche Funktion. Dazu zählt das Erzählen von Heldenepen und die klare Unterscheidung zwischen gut und böse sowie die Selbstvergewisserung, dass „wir“ die Guten, Normalen, Erstrebenswerten sind und die Anderen die Bösen und Schlechten. In dieser Konstruktion müssen Vorteile und Ressentiments bedient werden, es geht gar nicht anders. In diesem Tenor argumentiert der lesenswerte offene Brief von Patrick Portz an Regine Pfeiffer, die zuvor in frauTV auf WDR GTA IV nicht nur sexistische, sondern auch antisemitische und rassistische Inhalte vorwarf.

Rassismen im Kopf

Spiele mit klarem sexistischen, rassistischen und volksverhetzenden Charakter werden wie andere Mediengattungen indiziert von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Das steht hier auch nicht zur Diskussion. Es geht vielmehr um die Dekonstruktion von Stereotypen in der Alltagskultur. Da sind Games ein tolles Betätigungsfeld, um nach der Befindlichkeit der Gesellschaft zu forschen, vor allem an der Schnittstelle von Jugend, Technik und politischem Wandel. Neue Medien greifen aktuelle Entwicklungen wie Terrorismus, die Kriege in Afghanistan und Irak sowie die politischen Umbrüche auf der Welt schneller auf als es traditionelle je vermögen. Rassismus als gesellschaftliches Phänomen kann in Games beabsichtigt thematisiert werden, taucht aber auch versteckt und nicht intendiert auf. Medienkompetente und aufgeklärte Menschen gehen distanziert und kritisch mit den dargebotenen Klischees um. Menschen mit Ressentiments werden eher bestärkt. Das zeigt auch der offene Brief an Regine Pfeiffer: die Vorwürfe gegenüber GTA IV müssen umgemünzt werden. Gerade die Offenheit von Games erlaubt es dem Nutzer, seine eigenen Bedürfnisse, Werte und Konflikte individuell auf das Spiel zu projizieren. Die generelle Offenheit des Spiels ist wie bei jeder Kunst die zentrale Stärke, Umberto Eco sieht in seinem Buch „Das offene Kunstwerk“ den Konsumenten als Teil des Akteurs: Der Konsument ist ‘am Machen des Werkes beteiligt.“

Top Ten der Rassismen

  1. Der Sowjet(-russe)
  2. Zombie
  3. Iraker/Orientale/Taliban
  4. Der Nazi
  5. Mafiosi
  6. Schwarze
  7. Nord-Koreaner
  8. Orcs
  9. Der Sensemann
  10. Dr. Eggman

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Abseits der soziologischen und eher qualitativen Analyse von Spielen und ihren Inhalten findet sich wenig Material zu dem Thema, gerade empirische Ansätze wie der auf Crowdsoursing beruhende Inhaltsanalyse von Games werden zu selten genutzt.

Ich freue mich über Eure Meinung und Einschätzung. Postet in den Kommentaren!

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Ibo Mazari

www.mazari.de

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8 Antworten

  1. Nachten sagt:

    Eventuell kann man noch das Feindbild „Kommunist“ hinzufügen. Egal ob es Russen(UDSSR), Nord-Koreaner, Chinesen oder Kubaner sind. Ich glaube es legt sich nicht an der ethnischen Herkunft fest eher an der politischen Gesinnung. Nur leider gibt es heutzutage keine neutralen Games die so richtig Spaß machen. Es muss immer ein Feindbild rekonstruiert werden um den „Hass“ der Gesellschaft zu polarisieren.

  2. Bezalel sagt:

    Gerade die GTA Reihe nimmt die eigenen Themen ganz bewusst auf die Schippe. Es ist das unpassendste Spiel für ein Exempel.

  3. Blogger sagt:

    Wenn du schon 4 (von 10) unbedeutende Rassismen aufzählst, dann muss ich noch vor Zombies „die Kiste“ setzen. Sie wird in fast jedem FPS, Third Person Game, Platformer oder Puzzler auf gröbste misshandelt, missbraucht oder vernichtet…

    Der Beitrag gefällt mir schon, nur ist er für mich als mündiger Gamer (und Entwickler) zu flach und selbstverständlich. Natürlich gibt es in Medien Klischees und die einfachen (Verkaufs-)Mechanismen werden wiederholt eingesetzt. Rassismus, Sexismus, Mobbing, Gewalt,… wird es immer in Spielen geben…

  4. Man braucht glaub ich nicht, wie ich, Clifford Geertz studiert haben, um zu wissen dass Postulate teilnehmender Beobachtung ihrerseits höchst problematisch sein können. Und das betrifft aus meiner Sicht auch die soziologische Introspektion in die (vermeintlich) eigene Gesellschaft neuerdings, oder andere Moden – ob übers Internet oder nicht -, denn auch dort gibt es jede Menge Fremdheit anzutreffen. Zumindest dann wenn Normdenken und Verallgemeinerungen wie ich sie hier andauernd wahrnehme lieber entsagt werden möchte Erstaunliches zu entdecken, anstatt immer nur meinen abgebrühte Wahrheiten mit Sachlichkeit, Kompetenz oder gar Empirie zu vertreten.
    Darüber hinaus scheinen Menschen wie ich in Ihrer Welt nicht einmal denkmöglich existieren zu können. Oder wie soll jemand wie ich, der sich schon in der „Realität“ völlig außer Stande sieht als „normal“ zu begreifen in einem Videospiel sich noch so fühlen wollen: ich glaube auch keineswegs, dass in Videospielen meistens „Gute“ gemimt werden. Sam Fisher oder gar Agent 47, das sind doch keine guten Kerle – sondern weit eher Antihelden. Auch die Typen aus „Medal of Honor“ von zuletzt. So viel Antiamerikanismus – geht das wirklich… Und so wie andere Charaktere auch, über die Sie vielleicht nicht einmal diskutieren wollen, weil gegen die hat womöglich die BPjM noch immer etwas auszurichten – und was die sagt ist Dogma!? Gerichte sowieso?
    Nun, ich bin wohl selbst Schuld wenn ich überhaupt frage – weshalb tu ich das eigentlich: gute Frage – ich glaube ja nicht von Ihnen je eine Antwort zu erhalten. Ich akzeptiere schließlich keine Zensurvorgaben, bin hier noch dazu Ausländer und will obendrein nicht bloß deutsche Gesetze in den virtuellen Welten von Videospielen vertreten sehen. Ich möchte den Fiktionen mitunter sogar ihre eigenen Werte und Normen, eigene Politik- und Moralvorstellungen, Ethik als Reflexionstheorie, zugestehen. Könnte anderes mit meinem Gewissen keineswegs vereinbaren – vielleicht bin ich da ja (auch) allein. Mag sein. Doch das war denke ich, im Gegenteil zu Ihrer Interpretation, auch der Tenor des Briefes an Frau Pfeiffer ihrerzeit: oder wo bitte schön, um alles in der Welt, wäre in dem Brief zum Ausdruck gebracht worden – wie Sie behaupten sei das der Tenor gewesen – dass in Videospielen gar Vorurteile und Ressentiments bedient (!) werden müssten (!?).
    Ich kenne die Seite „Stigma Videospiele“ ja nicht erst seit gestern. Und stellen Sie sich vor, so unfassbar und ungeheuerlich das Ihnen vielleicht auch erscheinen mag, aber Gerüchten zufolge soll sich die Seite sogar gegen Vorurteile und Falschdarstellungen richten. Und keine „Stigma“-Videospiele dort etwa hergestellt werden. Darstellungen wie sie eben vielleicht auch Frau Pfeiffer gegen die Erotik in einem „Heavy Rain“ als sexistisch vorbrachte, die bei Ihnen, den anderen Blogeintrag dazu sehe ich mir vorsichtshalber gar nicht mehr an, vielleicht auch nicht kritisiert werden – dem womöglich ebenfalls (nur) beigepflichtet wird?
    Als chronisch Kranker und Mensch mit Behinderung finde ich das was Yager getan hat auch nicht gerade unproblematisch, oder wieso soll vor dem Krieg mit einer Krankheit gewarnt werden: was für ein negatives Bild kranker Menschen wird da bloß vermittelt. Und noch drei letzte Fragen dazu: ist das dann auch schon die Eigenschaft eines Serious Games, so Krankheiten zu transportieren? Soll das wirklich die Ernsthaftigkeit von Videospielen ausmachen? Auch Ihrer Meinung nach?
    Sowie eine etwas längere Feststellung: hier mag sich vielleicht über den „Hass“ auf Kisten oder Untote unterhalten werden, aber offensichtlich nicht über die eigenen Probleme in der an Überheblichkeit und unerträglichen Arroganz in meinen Augen jedenfalls kaum mehr zu überbietenden Beleidigung hausgemachter Vorurteile gegenüber Massen und Geringschätzungen von deren Gefallen, Geschmack und Empfinden. Das ganz sicher nicht: kein Gedanke, dass die da womöglich ganz anders drüber denken könnten, etwas völlig gegenläufig interpretieren – nein: außer Fingerzeig und fremdbestimmten Zuschreibungen keine (neuen) Ideen.

  5. Plutoknox sagt:

    Die armen Nazis haben’s echt schwer, andauernd diskriminiert und misshandelt.:x
    Aber im Ernst, Rassismus ist in irgendeiner Form, auch heute noch, in jedem Medium vorhanden, da sind Spiele natürlich keine Ausnahme, aber es ist definitiv neben Gewaltverherrlichung und Desensibilisierung eines der kleineren Probleme dieses Mediums.

  1. 23 November, 2012

    […] über “Rassismus in Games”: ‘Man braucht glaub ich nicht, wie ich, Clifford Geertz studiert haben, um zu wissen dass […]

  2. 12 Januar, 2018

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  3. 12 Januar, 2018

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