Gamification – Ein Werkzeug der digitalen Transformation von Arbeitswelten

Vorspiel

Die digitale Transformation der Arbeitswelten ist seit den 1980ern Realität und beschleunigt sich heute durch Vernetzung, Smartphones, Augmented Reality und künstliche Intelligenz. Das ist nicht nur ein technologischer Wandel, sondern zuvorderst ein sozialer: die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen und Maschinen arbeiten wandelt sich fundamental, Arbeit erfährt eine neue Bedeutung. Angefacht durch eine andere Haltung neuer Generationen zu veränderten Arbeitsformen, stehen Personalverantwortliche und Akteure in der Erwachsenen- und Fortbildung vor großen Herausforderungen. Es gilt die modernen Tools zu nutzen und den Bedürfnissen einer allseits vernetzten “Generation Y” Rechnung zu tragen. Hier kommt Gamification ins Spiel. Als Motivationsdesign einer neu gestalteten Welt der Arbeit und des Lernens.  

Klassische Einleitung

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller)

Spielen bedeutet Lernen. Diesen Grundsatz macht sich das Phänomen „Gamification“ zunutze: Denn jene Elemente, die uns in digitalen Action-Adventures oder auch Knobelspielen zum Mitmachen animieren, lassen sich direkt auf viele Arbeitsbereiche übertragen. Wie das funktioniert? Das versuche ich in diesem Beitrag zu erläutern.

Ausgehend von Erkenntnissen der Erlebnispädagogik und der Psychologie des Lernens bis hin zum Anthropologie-Klassiker aus den 1930er “Homo Ludens” von Johan Huizinger, hat sich mit der Verbreitung digitaler Spiele und des Internets Gamification etabliert.

WTF ist Gamification?

Gamification heißt zunächst nichts weiter als die Ausgestaltung von Prozessen mit spielerischen Elementen, um die Motivation zu steigern und den Zugang zu erleichtern. Das kann Marketing sein, aber auch die Anreicherung von Arbeits-, Lern- und Verkaufsprozessen.

Es geht darum Menschen zu motivieren, etwas zu tun, weil es Spaß macht, auch wenn es auf den ersten Blick mühselig oder langweilig wirkt – der nicht gamifizierte Prozess wohlgemerkt.

Es geht im Grund um eine Geisteshaltung: Ich bringe Menschen dazu etwas zu tun, indem ich es spannender für sie mache und nicht indem ich sie mit Argumente überrede.

Ein klassisches Beispiel: Gesundheit. Wie motiviere ich jemanden, sich mehr zu bewegen? Indem ich ihn auf die bekannten Risiken von zu wenig Bewegung wie Herzkrankheiten und Übergewicht hinweise, oder indem ich das Bewegen spannender mache als das Nicht-Bewegen?

Das Beispiel zeigt: Gamification ist das Hinzufügen und das Anwenden von Spieledesign-Elementen und spielerische Aspekte auf Nicht-Spiele- Anwendungen, hier das Treppensteigen.

Warum Gamification?

Was macht digitale Spiele so reizvoll (und hier darf man getrost alle Formen des Spielens berücksichtigen, auch Brettspiele)? Kann man dieses Faszinosum fassen und eventuell für andere Dinge im Leben nutzen? Mit dieser Frage beginnt ein Gamification-Konzept.

Gamification ist da wertvoll, wo es darum geht a.) die bestenfalls intrinsische (Langzeit-)Motivation zu steigern und b.) den Zugang zu einem Prozess zu erleichtern. Dazu bedient sich Gamification der gleichen Mechaniken wie digitale Spiele.

Zahnräder von Gamification

Gamification basiert auf folgenden Mechaniken:

  • Regeln: jedes Spiel benötigt feste und klare Regeln. Das gilt es bei Prozessen zu berücksichtigen.

Wie kann man Gamification für die Personalarbeit und die Fortbildung  nutzen?

In der Personalbeschaffung, in diesem Zusammenhang auch als Recrutainment bezeichnet, ist Gamification bereits Realität. Recrutainment – Spielerisch zum neuen Job? – so lautet die Devise. Hier geht es um Bewerbereignungstests und Selbsttest, bei denen Gamification als Brücke zwischen Entertainment und Recruitment dient. Demnach werden durch Gamification und Storytelling Eignungstests spannender und lebendiger und der Markenkern wird subtil vermittelt. Dies ist für das sogenannte Employer Branding besonders wichtig.

RWE nutzt Gamification im Recruiting

RWE nutzt Gamification im Recruiting

Fortbildung: IT-Sicherheit

Wer liest schon gerne Handbücher zur IT-Sicherheit? Dies hat sich auch Christina Rudrich von adidas gefragt und ein Mitarbeiter-Schulungsspiel entwickeln lassen, mit dem die IT-Sicherheitshinweise in spielerischer Art umgesetzt worden sind.

Sie wollte damit die Sensibilität für IT Security erhöhen, Kompetenzen durch spielerische Ansätze fördern, die intrinsische Motivation durch Erforschung von spielerischen Ansätzen steigern und eine ganzheitliche Story erzählen, um eine emotionale Bindung zum Spiel/Content zu schaffen. Die Mitarbeiter von adidas haben das gerne angenommen!

adidias Gamification

Gamification in der Fertigung

Joerg Niesenhaus, Senior UX Engineer & Branch Manager bei Centigrade und Blogger unter game-usability.de, verantwortet einen aktuellen Case aus der Fertigung. Mit Hilfe von Gamification wurde die Qualität der Produktion signifikant verbessert. Ziel war es, die Qualität der Drucke zu erhöhen und Fehldrucke zu minimieren. Um die Arbeiter gründlicher arbeiten zu lassen, wurden die Prozesse in einem teamorientierten Wettkampf mit Punkten und Boni implementiert. Wenn man den Ausschuss minimiert, bekommt man Punkte und Goodies wie eine längere Pause. Interessant: Gamification kann auch im Kontext von Akkord funktionieren, der von den meisten Bandarbeitern auch nicht als so belastend empfunden wird. „Druck müsse sein, zu langsam dürfe es nicht werden.“

Fazit

Die Beispiele zeigen: Gamification ist schon mitten unter uns. Und es wird mehr werden. Trends und Faktoren, die das befeuern ist der wachsende Anteil von Menschen mit Smartphones, der zu erwartende Boom von so genannten Werables (PCs als Uhren, Ringe, Brillen) und dem Internet der Dinge (IoT). Gamification ist leicht skalierbar dank Social Media Tools. Das ist gegenüber den eher eventbasierten Aktionen von früher ein gewaltiger Fortschritt. Neue mobile Technologien wie Beacons oder Near-Field-Communication (NFC) erleichtern die Umsetzung von Gamification weiter, da nun die Kommunikation mit dem Smartphone einfacher von der Hand geht. In Zukunft werden wir daher mehr Gamification in vernetzten Systemen wie dem Verkehrsektor, der Energie- und Stromindustrie (Stichwort: Smart Home) und im Sport erleben. Bei Gamification geht es darum, die Akteure aktiv einzubinden statt sie passiv zu berieseln. Richtig umgesetzt ist Gamification daher weit mehr als ein Spiel, es ist ein Werkzeug der digitalen Transformation von Unternehmen und Gesellschaft!

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