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Albert Einstein. Eine Biographie. 
Albrecht Fölsing 

Taschenbuch - 959 Seiten (1999) Suhrkamp, Ffm.; ISBN: 3518395874  EUR 12,27

Kurzbeschreibung: 
Albert Einstein hat wie kein anderer Physiker das Verständnis der Natur bereichert und verändert, er hat sich wie kein anderer Gelehrter im Rampenlicht der Öffentlichkeit exponiert und durch sein persönliches Beispiel die Rolle des Wissenschaftlers in einer sich dramatisch wandelnden Welt verkörpert. Albrecht Fölsings Biographie umfaßt alle Aspekte Einsteins, seine wissenschaftlichen Leistungen und seine politischen, sozialen und kulturellen Interessen und Aktivitäten. 

Rezensionen:

Zu schreiben, bei Suhrkamp ist eine Biografie über Albert Einstein erschienen, wäre eine schlichte Untertreibung.

Albrecht Fölsing, Leiter der Abteilung "Natur und Wissenschaft" beim NDR, legte seine (Er-)Kenntnisse über Albert Einsteins Werk und Leben mit der Sorgfalt eines auf Objektivität bedachten Wissenschaftlers in einem anspruchsvollen Sachbuch nieder. So beanspruchen denn allein die zahlreichen quellenverzeichnenden Anmerkungen zu den Fußnoten, nebst einer Zeittafel, dem Literaturverzeichnis sowie dem Personenregister 130 Seiten. Ein schönes Gegengewicht dazu sind in der Mitte des Buches die 32 Seiten auf Kunstdruckpapier, die Einsteins Werden auf Fotos aus den Jahren 1894 bis 1954 belegen.

Bleiben noch gut 800 Seiten "Biografie"... Sie sind für den Normalsterblichen in Sachen Physik eine Zumutung, und wer in dieser Biografie das rührend anekdotenreiche Gemenge üblicher Biografien erwartet, müsste sich heftig enttäuscht davon abwenden.

Aber:
Eine Zumutung ist nicht unbedingt etwas Schlechtes, und sich auf den Kampf durch Fölsings Werk einzulassen, zeitigt allemal Gewinn. Studenten der Physik, aber sicher auch deren Professoren, werden den Schilderungen des "work in progress" Albert Einsteins sehr gut folgen und mit Genuss nachvollziehen können. Denen wird der Unterschied zwischen "allgemeiner" und "spezieller" Relativitätstheorie sicher auch noch nach der Lektüre dieses Werkes haften geblieben sein. Für wen das aber nicht zutrifft, sollte die ca. 300 diesbezüglichen Seiten nicht einfach umblättern, sondern zumindest versuchen, sie "querzulesen". Ihnen ist nämlich auch viel Relevantes zum Verständnis für den "anderen" Einstein, der als Pazifist und Gegner der Wasserstoffbombe in die Geschichte eingegangen ist, zu entnehmen.

Den vor allen am Leben Einsteins interessierten LeserInnen wird zudem auf den "restlichen" 500 Seiten genügend Lesestoff gegeben. Hierin erörtert, belegt und zitiert Fölsing all das, was das Leben Einsteins neben und mit seiner nobelpreisgekrönten Genialität ausmachte -- soweit es auch wirklich authentisch nachzuweisen ist. Hier wird mancher von der Widersprüchlichkeit Einsteins bestenfalls unangenehm überrascht, wenn nicht gar entsetzt sein. Dass er während des I.Weltkrieges aktiv gegen die "patriotische" Hetze seiner Kollegen anging und selber mit Enthusiasmus an dem für die Kriegsmarine bedeutungsvollen Kreiselkompass experimentierte, ließe sich ja vielleicht noch erklären, nicht aber die offenbar gewordene Ignoranz als Vater, die in einem heftigen Widerspruch zu der großzügigen Anteilnahme gegenüber Freunden und Bekannten stand, wenn er z.B. deren Flucht aus dem Deutschland des III.Reiches ermöglichte.

Als Einsteins Frau erschöpft und erschüttert von der Beerdigung ihrer Tochter aus Europa zurückkehrte, fand sie ihren Mann "in ausgezeichneter Verfassung vor. Nichts von all dem Schweren tritt wirklich an ihn heran, er ist in der glücklichen Lage, alles von sich abschütteln zu können. Darum kann er auch so schön arbeiten...", bzw. statt seine Frau auf ihrem schweren Gang zu begleiten, sich "prächtig" beim Segeln erholen. Fölsing erlaubt sich auch hier so gut wie keinen Kommentar zu Einsteins Verhalten, aber gerade die nüchterne Berichterstattung solch keineswegs singulärer Ereignisse im Leben Einsteins verfehlt ihre Wirkung nicht. Ein anderes Phänomen ist die Wandlung des "konfessionslosen" Einstein zum überzeugten "Zionisten", der sich mit Vehemenz für den Staat Israel einsetzte und seine Theorien erst spöttisch, später aber immer ernsthafter mit religiös-kosmologischen Betrachtungen kommentierte. Einstein nur als "guten" oder "schlechten" Menschen zu apostrophieren, ist spätestens nach der Lektüre dieser Biografie nicht mehr möglich -- sehr wahrscheinlich aber zählte er zu jenen wenigen Menschen, die ihre gegebenen Möglichkeiten vollends ausschöpften und dabei sehr viel öfter als der Durchschnitt an ihre Grenzen gerieten. Das verlangt allemal Bewunderung ab, die Frage aber ist: Für wen oder was?

Autor: Ulrich Karger (c) Büchernachlese Rezensionsportal




 
 
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