{"id":839,"date":"2015-08-14T18:15:49","date_gmt":"2015-08-14T16:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/?p=839"},"modified":"2016-03-02T11:34:38","modified_gmt":"2016-03-02T09:34:38","slug":"interview-games-praegen-die-kultur-ursula-vranken-von-ipa-fragt-nach-entwicklung-der-gamesindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/2015\/08\/14\/interview-games-praegen-die-kultur-ursula-vranken-von-ipa-fragt-nach-entwicklung-der-gamesindustrie\/","title":{"rendered":"Interview: Games pr\u00e4gen die Kultur \u2013 Ursula Vranken von IPA fragt nach Entwicklung der Gamesindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der gamescom, der weltweit gr\u00f6\u00dften Messe f\u00fcr digitale Spiele, sprach Ursula Vranken von <a href=\"https:\/\/digitalpeoplemanagement.de\/\" target=\"_blank\">IPA\u00a0\u00a0<\/a>mit mir\u00a0\u00fcber die Entwicklung der gamescom und die Bedeutung von Spielen f\u00fcr unsere Gesellschaft und der Industrie als Arbeitgeber. Fazit: Games pr\u00e4gen Kulturen! Hier das Interview in voller L\u00e4nge:<\/p>\n<figure id=\"attachment_840\" aria-describedby=\"caption-attachment-840\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-840\" src=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20354998392_e858068d46_z.jpg\" alt=\"Nach der F\u00fchrung \u00fcber die gamescom: Ich und Ursula Vranken (rechts) im Gespr\u00e4ch\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20354998392_e858068d46_z.jpg 640w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20354998392_e858068d46_z-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20354998392_e858068d46_z-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-840\" class=\"wp-caption-text\">Nach der F\u00fchrung \u00fcber die gamescom: Ursula Vranken (rechts) und ich im Gespr\u00e4ch<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>Die Messe hat ja insgesamt ein rasantes Wachstum in den letzten Jahren hingelegt, was sind f\u00fcr Dich die wichtigsten Entwicklungen?<\/strong><\/h2>\n<p>Es freut mich, dass der Rundgang so gut angekommen ist. In der Tat haben noch nie so viele Menschen digital gespielt wie heute. Das zeigen sowohl die Zahlen als auch die Trends. Nach Angaben des Branchenverbands BIU wurden alleine im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland mit digitalen Spielen \u00fcber 530 Millionen Euro umgesetzt, das ist mehr als der Umsatz der Musik- oder der Kinoindustrie.<\/p>\n<h2><strong>Was sind die neusten Trends in der Branche?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir finden im Wesentlichen \u00a0zwei Trends: Der Trend zum Online-Gaming, also weniger Spiele, die man auf Datentr\u00e4gern wie DVDs kauft und hin zum Freemium<strong>&#8211;<\/strong>Modell und dem Spielen \u00fcber das Internet. Freemium bedeutet, dass der Zugang zum Spiel kostenlos ist, im Spiel selbst aber einzelne Items gekauft werden k\u00f6nnen. Es gibt auch Abo-Modelle, wie wir sie von World of Warcraft kennen. Man zahlt eine monatliche Geb\u00fchr, um auf die Spieleserver zu gelangen. Gaming findet also zunehmend im Internet statt im Multiplayer-Modus, Spielewelten werden permanent weiter entwickelt, statt wie bisher einmal als abgeschlossenes Spielkonzept auf DVD verkauft zu werden.<\/p>\n<p>Der zweite Trend ist das Mobile Gaming. Hier werden eher die Casual Gamer (Gelegenheitsspieler) angesprochen, was dazu f\u00fchrt, dass neue Zielgruppen f\u00fcr digitale Spiele gewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>\u00a0Ist das Thema Spiele in der Gesellschaft angekommen?<\/strong><\/h2>\n<p>Digitale Spiele sind definitiv in der Gesellschaft angekommen. Nach Umfragen spielen \u00fcber 29 Millionen Menschen in Deutschland regelm\u00e4\u00dfig digitale Spiele, davon 15,8 Mio. m\u00e4nnlich und 13,5 Mio. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/197219\/umfrage\/anzahl-der-computerspieler-in-deutschland-nach-geschlecht\" target=\"_blank\">weiblich<\/a>.<\/p>\n<p>Naturgem\u00e4\u00df ist der Anteil von Gamern h\u00f6her, je j\u00fcnger die Bev\u00f6lkerungsgruppe ist. Von den 14-29 J\u00e4hrigen spielen \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/315924\/umfrage\/anteil-der-computerspieler-in-deutschland-nach-alter\" target=\"_blank\">80% regelm\u00e4\u00dfig,<\/a> bei den \u00fcber 65 J\u00e4hrigen nur noch 11%.<\/p>\n<h2><strong>Wer spielt denn eigentlich was?\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Es gibt auch einen klaren Unterschied in der Spielewahl. Klassische Genres wie Shooter, Sport- und Rennspiele sind eher m\u00e4nnlich dominiert (\u00fcber 80%), der Anteil der Frauen bei Strategiespielen wie League of Legends liegt da schon h\u00f6her bei knapp 20 Prozent. Bei Rollenspiele und Mobile Games ist die Verteilung der Geschlechter parit\u00e4tisch, genauso beim erfolgreichsten Computerspiel aller Zeiten \u201eSims\u201c von EA.<\/p>\n<h2><strong>Die Industrie w\u00e4chst stark,\u00a0 gilt das auch f\u00fcr das\u00a0 Angebot an Arbeitspl\u00e4tzen in Deutschland bzw. gibt es viele deutsche \u00a0Unternehmen am Markt?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Computer- und Videospielindustrie besch\u00e4ftigt nach Angaben des <a href=\"https:\/\/www.biu-online.de\/\" target=\"_blank\">Branchenverbands BIU<\/a> rund 13.000 Menschen in Deutschland. 2014 waren 12.726 Menschen bei 450 Unternehmen mit der Entwicklung und dem Publishen \u2013 dem Branchenbegriff f\u00fcr das Verlegen \u2013 von digitalen Spielen in Deutschland besch\u00e4ftigt. Der Gro\u00dfteil dieser 450 Unternehmen, n\u00e4mlich 276, entwickelt schwerpunktm\u00e4\u00dfig Spiele, 67 haben ihren unternehmerischen Fokus auf das Publishing gelegt. Die \u00fcbrigen 107 Unternehmen der deutschen Computer- und Videospielbranche agieren sowohl als Entwickler als auch Publisher. Z\u00e4hlt man auch die Besch\u00e4ftigten hinzu, die sich in angrenzenden Bereichen Computer- und Videospielen widmen \u2013 etwa als Fachverk\u00e4ufer im Einzelhandel, Journalisten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von Beh\u00f6rden und Institutionen \u2013, steigt die Anzahl der durch die Computer- und Videospielbranche gesicherten Arbeitsstellen auf 30.231.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-841\" src=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20337237856_b399b839c2_z.jpg\" alt=\"20337237856_b399b839c2_z\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20337237856_b399b839c2_z.jpg 640w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20337237856_b399b839c2_z-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20337237856_b399b839c2_z-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<h2><strong>Wie muss ich mir die Spiele- Industrie als Arbeitgeber vorstellen? Sind das alles kleine Start Ups in denen die Nerds regieren?\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Wir haben es mit unterschiedlichen Firmengr\u00f6\u00dfen zu tun. Etablierte Verlage wie Blizzard, Activision, Electronic Arts und Microsoft sind schon einige Jahre auf dem Markt, zumeist unterhalten diese internationalen Konzerne Standorte in Deutschland, die sich vornehmlich mit Marketing, PR und Verkauf besch\u00e4ftigen. Das sind etablierte Strukturen wie in mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, wobei die Branche wie andere Kreativindustrien von einer gewissen Lockerheit gekennzeichnet ist. Anz\u00fcge und Krawatten trifft man eher selten.<\/p>\n<p>Bei den Entwicklungsstudios k\u00f6nnen wir eher von Nerds im positiven Sinne sprechen, aber auch da sind Aufgaben wie Organisation, Finanzen, HR, Kommunikation und Vertrieb n\u00f6tig, die dann einen anderen Fokus setzen in der Qualifikation der Mitarbeiter.<\/p>\n<h2><strong>Welche Jobs sind besonders interessant und vor allem welche Profile bzw. Mitarbeiter mit welchen Kenntnissen werden\u00a0 gesucht?<\/strong><\/h2>\n<p>H\u00e4nderingend werden Programmierer gesucht, Gamedesigner sowie 2D-Designer. Alle sollten entsprechende Erfahrung mitbringen und schon einmal in der Gamesentwicklung gearbeitet haben. Spezielle Herausforderung ist der teilweise immense personelle Aufwand bei der Herstellung eines Games, wir reden hier von Budgets, die an Hollywood heranreichen k\u00f6nnen. Da ist neben den technischen F\u00e4higkeiten vor allem Teamplay wichtig und die F\u00e4higkeit, mit unterschiedlichsten \u201eGewerken\u201c produktiv zusammen zu arbeiten. Bei der Gamesentwicklung gilt es Regisseure, Texter, Grafiker, 3D-Animationsexperten, Musiker und Level-Designer zusammen zu bringen und zu koordinieren.<\/p>\n<h2><strong>Gibt es eigentlich Ausbildungsberufe, die speziell auf die Spieleindustrie abgestimmt sind?\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Es gibt mittlerweile spezialisierte Institute und Fachbereiche an Fachhochschulen, die rund um das Thema Gamedesign ausbilden, aber auch Schnittstellen zu anderen Berufsbildern wie Texter, Storyteller und Art-Director schaffen. Beispiele daf\u00fcr sind das Cologne Game Lab der FH K\u00f6ln, die Games Academy in Berlin sowie die Mediadesign Hochschule D\u00fcsseldorf. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.games-career.com\/de\/Studium\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.games-career.com\/de\/Studium\/<\/a>)<\/p>\n<p>Es gibt auch einen anerkannten <a href=\"https:\/\/berufenet.arbeitsagentur.de\/berufe\/start?dest=profession&amp;prof-id=14870\" target=\"_blank\">Ausbildungsberuf zum Gamedesigner<\/a>.<br \/>\nNicht zu untersch\u00e4tzen sind klassische Berufsbilder wie Buchhaltung, Management und PR, die es teilweise auch mit Spezialisierung f\u00fcr die Gamesbranche gibt.<\/p>\n<h2>Du sprachst davon, wie Games inzwischen die Kultur pr\u00e4gen. Woran machst Du das fest?<\/h2>\n<p>Computerspiele begeistern Menschen und pr\u00e4gen andere Medien, etwa indem Figuren aus Computerspielen im Film aufgegriffen werden (z.B.\u00a0Lara Croft) oder ber\u00fchmte Games Grundlage sind f\u00fcr Romane und Kunstwerke. Auch die Artworks (Skizzen aus den Games) werden mittlerweile ausgestellt und sogar teuer verkauft. Computerspiele pr\u00e4gen auch Lebenswelten und schaffen Jugendkulturen, wie man das sehr gut an den Cosplay-Communitys sehen kann, die sich etwa so kleiden wie ihre Lieblingsfiguren.\u00a0Das sind popkulturelle Ph\u00e4nomene, die sich vermehrt in anderen Medien als Referenz wiederfinden, gerade in Japan ist das sehr deutlich zu sehen (Comics, Spielshows im TV, Musik, Theater, \u2026).<\/p>\n<figure id=\"attachment_842\" aria-describedby=\"caption-attachment-842\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-842\" src=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20369603011_c25a4fc2be_z.jpg\" alt=\"Cosplay - Games pr\u00e4gen Jugendkulturen\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20369603011_c25a4fc2be_z.jpg 640w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20369603011_c25a4fc2be_z-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/20369603011_c25a4fc2be_z-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-842\" class=\"wp-caption-text\">Cosplay &#8211; Games pr\u00e4gen Kulturen<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was w\u00fcrdest Du den Bedenkentr\u00e4ger, die e-Spiele immer noch als Gefahr sehen in eine \u201eparallel Welt\u201c abzudriften, entgegenhalten?<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde Bedenkentr\u00e4ger ermutigen, selbst digitale Spiele auszuprobieren. Denn nur wenn man sich auseinander setzt, kann man das Medium begreifen und differenziert wahrnehmen. Gaming ist eine ganze Welt voller M\u00f6glichkeiten, kulturellen Perlen und gew\u00f6hnlichem Kitsch und Trivialit\u00e4ten, so wie wir es auch von der Musik, dem Film und der Literatur kennen. Nat\u00fcrlich ist ein verantwortungsvoller Umgang wie bei allen Medien wichtig, aber jede Form der kulturellen Bet\u00e4tigung st\u00e4rkt die Pers\u00f6nlichkeit und ist elementar. Wir sollten vielmehr von digitalen Spielen lernen und diese Erkenntnisse auch f\u00fcr andere Lebensbereiche nutzen, etwa in der <a href=\"https:\/\/www.ipa-consulting.de\/fuehrungskraefte-entwicklung\/\" target=\"_blank\">Personalf\u00fchrung<\/a>. Dieser Ansatz wird als <a href=\"https:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/2015\/06\/12\/gamification-best-cases\/\" target=\"_blank\">Gamification <\/a>bezeichnet.<\/p>\n<p>Ibo, wir danken Dir f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und den Einblick in eine hoch spannende Branche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der gamescom, der weltweit gr\u00f6\u00dften Messe f\u00fcr digitale Spiele, sprach Ursula Vranken von IPA\u00a0\u00a0mit mir\u00a0\u00fcber die Entwicklung der gamescom und die Bedeutung von Spielen f\u00fcr unsere Gesellschaft und der Industrie als Arbeitgeber. Fazit: Games pr\u00e4gen Kulturen! 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