Eine Ethik der Gamification

Täglich führen wir Diskussionen über die ethische Nutzung von Medien und digitalen Diensten. Games stehen dabei besonders im Mittelpunkt des öffentliches Diskures, hier ergeben sich viele Fragen nach einer verantwortungsvollen Ethik. Wie sieht es aber mit einer Ethik der Gamification aus?

Gefahren und Risiken

Gamification berührt sensible Bereiche. Eine Gamification-Ethik muss das offen ansprechen und auch vor Risiken und Gefahren warnen. So gibt es auch eine „dunkle Seite“ der Gamification-Macht, etwa wenn man eine Spielifizierung des Krieges beobachtet. Unmenschliche Praktiken und solche, die Recht brechen, bleiben unmenschlich und verboten, egal wie toll ich sie mit Spielmechaniken umhülle.

Dazu zählen unter anderem:

  • Krieg
  • Kriminalität
  • Akkordarbeit
  • Verletzung von Personenrechten
  • Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte
  • Verletzung des Datenschutz

Daher ist Gamification als Methode immer nur so ethisch, wie die Akteure in einer Organisation. Als Motivationsdesign umschreibt Gamification einen Ansatz der Organisationspsychologie und unterliegt den Unternehmenswerten und -zielen. Das ist auch der Grund, warum man bei der Einführung einer Methode (gleiches gilt übrigens für Tools) zunächst mit der Organisationskultur beschäftigen muss. Wenn es da nicht stimmt, helfen weder coole Werkzeuge wie Jira oder Slack noch ein verspielter Prozess.

Was ist Ethik?

Bevor man eine Ethik für Gamification formuliert, sollten wir den Begriff Ethik genauer beleuchten und definieren. Ethik ist ein Begriff aus der Philosophie und beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage nach dem richtigen Handeln in bestimmten Situationen sowie der Begründung für eben dieses Handeln. Ethik kann deskriptiv Normen- und Wertesysteme beschreiben, ohne zu werten, sie kann aber in der sogenannten angewandten Ethik wertend nach gültigen Normen, Werte und Handlungsempfehlungen suchen. Sie ist damit eine praktische Wissenschaft. Ihr geht es um eine Hilfestellung, einem vernunftbegabten Wesen wie den Menschen eine Grundlage für eine rationale Begründung seiner Moral zu liefern. Gerade in einer unüberschaubaren Welt mit vielen neuen und unbekannten Herausforderungen (Stichworte: Transhumanismus, Künstliche Intelligenz), haben Traditionen und eine Moral auf der Grundlage von scheinbar unhinterfragbaren Autoritäten wie Religionen ausgedient. Die Ethik liefert das Instrumentarium, diese Fragen zu beantworten.

Ethik der Gamification

Da Gamification menschliches Handeln in Organisationen ist, unterliegt es ethischen Gesichtspunkten. Neben den klar definierten rechtlichen Hürden (Einbeziehung der Betriebsrats, Sammlung personenbezogener (Leistungs-)Daten am Arbeitsplatz), empfehle ich allen Praktikern, folgende Leitsätze bei der Umsetzung von Gamification zu beherzigen. Diese Charta der ethischen Gamification ist eine Anregung:

Gamification stärkt die Gemeinschaft, nicht den Egoismus

Gamification ist mehr als Punkte, Badges und Leaderboards. Gerade Leaderboards befördern den totalen Egoismus und den Kampf „Jeder gegen Jeden“. Das ist nicht ethisch, schließlich sind Unternehmen wie alle Organisationen ein Zusammenschluss von vielen Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und alle in unterschiedlichen Bereichen gemeinsam für die Verwirklichung dieses Zieles arbeiten. Bei der Umsetzung von Gamification muss man daher den Aspekt der Vergemeinschaftung viel stärker betonen und zum Maßstab nehmen. So bewertet man eher Teams als einzelne Spieler. Das trägt dazu bei, dass sich Teammitglieder im Sinne des Teams und des gesamten Unternehmens verhalten.

Beziehe alle Mitarbeiter bei der Konzeption und auch der Umsetzung von Gamification ein

Partizipation und Mitspracherecht ist nicht nur fair, es erhöht auch die Bereitschaft, offen zu sein für Veränderungen und solche Prozesse mitzutragen. Gamification funktioniert nur, wenn die Menschen das verinnerlichen und in ihrer täglichen Arbeit umsetzen. Mitarbeiter sollten früh befragt werden, auch in der Definition der Ziele von Gamification. Klassische Werkzeuge wie Umfragen, Ideenworkshops für alle Interessenten und eine offene Unternehmenskultur sind die beste Voraussetzung dafür.

Klärt die Unternehmenskultur und fragt, ob alle Mitarbeiter diese tragen

Die Basis für Gamification ist eine von allen Mitarbeitern getragene Unternehmenskultur. Unternehmen mit umfangreichen Hierarchiestufen, wenig Autonomie für den einzelnen Mitarbeiter und einer eher verschlossenen Kommunikationskultur sind ungeeignet für Gamification. Oder es kommt nur in einem beschränken Umfeld zum Einsatz. Wenn Gamification in einem Unternehmen (aber auch im Umgang mit Kunden) genutzt werden soll, verlangt das von der Führung und vom Management die Bereitschaft, Macht abzugeben, Freiheiten zu gewähren und die Autonomie des Einzelnen zu stärken.
Zudem sind die Unternehmenswerte nur so viel wert, wie diese von allen gelebt werden: vom Chef bis zum Portier. Nur wenn alle Mitarbeiter Werte und Ziele teilen, ist es sinnvoll Gamification zu implementieren.

Kein Zwang: Gamification sollte ein freiwilliges Angebot sein

Arbeit ist Pflicht. Aber Gamification ist jener Teil des Motivationsdesign, der Autonomie stärken sollte. Gibt den Leuten mehr Spielraum, so die Devise. Daher ist es besonders wichtig, Gamification mit dem Team gemeinsam einzuführen, die Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und die zu überzeugen. Gamification basiert auf Freiwilligkeit. Wer sich damit nicht befassen will, dem sollten alternative Prozesse angeboten werden. Am Ende überzeugt der gamifizierte Prozess von selbst – indem er angenehmer ist, mehr Spaß macht und die eigene Arbeit interessanter werden lässt.

Liefere Argumente und keine Befehle

Gamification kann nicht von oben angeordnet werden. Die Konzeption und Einführung muss in sich schon Teil der Gamification-Philosophie sein. Überzeugen kann man die Menschen, indem man ihnen die Vorteile aufzeigt, Argumente liefert, ihre Sorgen ernst nimmt und diese berücksichtigt. Die Risiken habe ich oben angesprochen, das sollte in der Einführung bedacht und thematisiert werden. Wie sichert das Unternehmen die Personenrechte und den Datenschutz? Wie verhindert man das Erstarken einer Ellenbogenmentalität? Das alles vorab aufzuzeigen und argumentativ zu unterlegen ist nicht nur ethisch geboten. Es ist auch wichtig, um Erfolg zu haben.

Schütze die Schwachen

Gamification verfolgt das Ziel, Prozesse zu optimieren und die Ergebnisse von ganzen Teams zu verbessern, dabei auch die Zufriedenheit und den Spaß für den Einzelnen zu steigern. Ethisch korrekt lässt sich das umsetzen, wenn man den  schwächsten Mitarbeiter beschützt und ihn als Teil eines Teams zu mehr Selbstsicherheit verhilft. Low-Performer können so motiviert werden, ihre Leistung für das Team zu steigern.

Gamification sollte ein humanistisch geprägtes Menschenbild voraussetzen

Das Menschenbild des homo oeconomicus sieht einen egoistischen, gierigen und im Herzen trägen Akteur am Werk, der kontrolliert werden muss. Dieses Menschenbild ist unvereinbar mit Gamification. Ein humanistisch geprägtes Bild sieht im Mitarbeiter den ganzen Menschen, der seine Fähigkeiten gerne einbringt und wachsen möchte. Für diesen Menschen ist Geld nicht die wichtigste Motivation, zur Arbeit zu kommen. Es geht um Selbstverwirklichung, gemeinschaftliche Erfolge und das Gefühl, gebraucht zu werden. Daher ist es unerlässlich, die Mitarbeiter und auch die Kunden mit mehr Autonomie auszustatten. Das setzt Vertrauen voraus. Daher der mehrfache Verweis auf eine offene Unternehmenskultur mit idealerweise flachen Hierarchien. Hier zeigt sich die beste Seite einer ethisch verantwortlichen Prozesssteuerung – nichts anderes ist Gamification.

Behandle die Menschen gerecht

Gerechtigkeit ist eine Kardinaltugend und für jede Ethik essentiell. Fairness ist nicht umsonst das wichtigste in jedem Teamspiel und jeder Mannschaftssportart. Deshalb ist es unerlässlich, den Gamificationprozess gerecht zu gestalten, eine ethisch einwandfreie Balance hinzubekommen. Das betrifft nicht nur die Bewertung der einzelnen Akteure und Teams, sondern auch die Gleichheit in der Art und Weise, wie Mitarbeiter den Prozess mitgestalten und partizipieren können. Gerechtigkeit in der Spielmechanik ist ein großes moralisches Plus eines jeden Spiels – das macht Spiele eben besser als die Welt da draußen.

Biete Sinn an

Sinn ist die stärkste Motivation – das wissen wir nicht nur durch den großen Erfolg von Religionen. Der Mensch blüht da auf, wo sein Wirken sinnvoll ist und seine Arbeit eingebettet ist in einer höheren Ordnung. Das ist ungemein motivierend. Storytelling, offenes und direktes Feedback sowie der bereits beschriebene humanistische Ansatz sind die Rezepte, um diesem ethischen Anspruch gerecht zu werden. Nichts ist schlimmer, als eine Arbeit ohne erkennbaren Sinn. Ob man mit Marx da die Entfremdung der Arbeit beklagt oder mit Viktor Frankl darauf pocht, dass Sinn zu finden für den Menschen das wichtigste ist, selbst in schwersten, existentiellen Umständen: Gamification ist nur erfolgreich, wenn man gemeinsam mit allen Akteuren darüber spricht, was die Arbeit ausmacht und wie sinnvoll eigentlich das ist, was man macht. Erst dann kann man sich überlegen, wie man das schöner gestaltet.

Mehre das Glück der Menschen im Unternehmen

Die Ethik fragt auch nach dem höchsten Gut. Der Eudämonismus will das Glück mehren. Utilitaristen sehen das Ziel darin, so viele Menschen wie möglich zu beglücken, das sei ethisch geboten. Übertragen auf Gamification heißt das, dass die Summe der zufriedenen oder gar glücklichen Mitarbeiter oder Kunden nach der Einführung höher ausfallen sollte, als vorher. Nur wenn die Menschen ihre Arbeit lieber verrichten und mit den Änderungen glücklich sind, ist Gamification gut. Natürlich stehen auch andere Ziele im Fokus, wie die Verbesserung der Qualität oder eine höhere Effizienz. Darunter darf aber nicht die Zufriedenheit der Mitarbeiter leiden.

 

Leseempfehlung: Der Blog informationsethik.net des deutsch-schweizerischen Informatikers und Philosophen Oliver Bendel enthält viele spannende Beiträge rund um das Thema der digitalen Ethik.

Transhumanismus – Cyborgs und die Zukunft der Menschheit

Transhumanismus, wtf?

Der Transhumanismus glaubt, dass die nächste Evolutionsstufe der Menschheit die Verschmelzung des Menschen mit Technologie ist. Cyborgs sollen den Homo sapiens ablösen und das Leben im Universum auf eine neue Stufe heben. Was klingt wie Science-Fiction, ist vielleicht eine ernst zu nehmende Bedrohung für die nahe Zukunft und wird schon bald das Leben jedes einzelnen Menschen beeinflussen.

Begriffsklärung und Ideengeschichte

Ausgangspunkt ist das Konzept des „Human Enhancements“. Human Enhancement wird verstanden als Steigerung menschlicher Fähigkeiten oder Verbesserung des Menschen, womit zumeist nichttherapeutische Steigerungen über ein Normalmaß hinaus gemeint sind, also ‚Enhancement versus Therapie‘; besser aber therapeutisches versus nichttherapeutisches Enhancement.

Die Debatte wird seit den 1990er Jahren (nach Vorläufern in den Jahrzehnten zuvor) geführt und besitzt zunehmend politische Relevanz. Viele öffentlich geförderte Forschungs- und Dialogprojekte beschäftigen sich mit dem Thema, vor allem rund um ethische Fragen.

Ideengeschichtlich basiert der Transhumanismus auf technikvisionären Weltanschauungen, die mindestens seit den 1920er Jahren existieren und als organisierte soziokulturelle Bewegung seit den 1980er Jahren virulent sind.

Der Transhumanismus verfolgt ideell das Ziel, die menschliche begrenzte Natur zu überwinden:

“Foresee the feasibility of redesigning the human condition, including such parameters as the inevitability of aging, limitations on human and artificial intellects, unchosen psychology, suffering, and our confinement to the planet earth.” (World Transhumanist Association 2002)

Der Transhumanismus wird immer noch von einigen Beobachten als skurrile Techno-Sekte betrachtet. Er gewinnt aber an wachsendem Einfluss im ethisch-politischen Diskurs über Technologien und erscheinen als Vorhut einer breiteren, in Industrie, Akademie und Politik feststellbaren Strömung.

Zentrale Köpfe der transhumanistischen Idee

Zentrale Denker des Transhumanismus reichen zurück bis ins frühere 19. Jahrhundert. So kann der Brite Winwood Reade als der erste Transhumanist betrachtet werden. Der Forscher und Entdecker träumt von neuen Zeiten:

„These bodies which now we: wear belong to the lower animals; our minds have already outgrown them; already we look upon them with contempt. A time will come when Science will transform them by means which we cannot conjecture, and which, even if explained to us, we could not now under stand, just as the savage cannot understand electricity, magnetism, steam. Disease will be extirpated; the causes of decay will be removed; immortality will be invented. And then, the earth being small, mankind will migrate into space, and will cross the airless Saharas which separate planet from planet, and sun from sun. The earth will become a Holy Land which will 180 be visited by pilgrims from all the quarters of the universe. Finally, men will master the forces of Nature; they will become themselves architects of systems, manufacturers of worlds. Man then will be perfect; he will then be a creator; he will therefore be what the vulgar worship as a god. But even then, he will in reality be no nearer than he is at present to the First Cause, the Inscrutable Mystery, the GOD.“ (The Martyrdom of Man, 1872)

Der erste Transhumanist, reitend auf einem Ochsen in Angola (Quelle: W. Winwood Reade (1864), Savage Africa. New York, S. 270)

Ein anderer Denker des Transhumanismus ist H.G. Wells, der heute vor allem als Science Fiction Autor bekannt ist.

„This fact, that man is not final, is the great, unmanageable, disturbing fact that rises upon us in the scientific discovery of the future; and to my mind, at any rate, the question, What is to come after man? is the most persistently fascinating and the most insoluble question in the whole world. […] All this world is heavy with the promise of greater things, and a day will come – one day in the unending succession of days – when beings, beings who are now latent in our thoughts and hidden in our loins, will stand upon this earth as one stands on a footstool, and laugh, and reach out their hand amidst the stars.“ The Discovery of the Future (1902)

John Desmond Bernal, britischer Physiker und Visionär, sah den Transhumanismus als konsequente Entwicklung der menschlichen Natur:

„The new man must appear to those who have not contemplated him before as a strange, monstrous and inhuman creature, but he is only the logical outcome of the type of humanity that exists at present. […] Normal man is an evolutionary dead end; mechanical man, apparently a break in organic evolution, is actually more in the true tradition of a further evolution.“ (The World, the Flesh & the Devil: An Enquiry into the Future of the Three Enemies of the Rational Soul (1929)

Risiken

Der politische Einsatz unrealistischer bis fantastischer Visionen kann zur Fehlnutzung öffentlicher Gelder führen.

Einige der extremen Technikvisionen sind sehr fragwürdig (z. B. Menschenbild, Gesellschaftsverständnis und Anwendungen, z.B. enge Mensch-Waffensystem-Kopplung).

Diese Visionen, die von (technokratischen) Sozialisten und Kommunisten in den 1920er Jahren entwickelt wurden, erfüllen heute – in einer wirtschaftsliberal geprägten Zeit – andere Funktionen (Verlagerung von Zielen für die Gesamtgesellschaft auf individuelle Bedürfnisse Privilegierter sowie auf Interessen des Militärs).

Moderner Diskurs

Zeitgenossen wie der bekannte Erfinder, Unternehmer und Visionär Ray Kurzweil, dominieren heute den Diskurs, obwohl viele ihrer Ideen viel früher artikuliert worden sind und derzeitige Visionen oft eindimensional technokratisch sind.

  • Verbesserung des Individuums (klüger, ausdauernder, stärker, schöner…)
  • Visionen neuroelektrischer Cyborgs
  • Ektogenese (Retortenbabys)
  • Perfekte Kontrolle von Emotionen
  • Lebensverlängerung
  • Unsterblichkeit individuellen Bewusstseins in einer Superstruktur, die auf Mensch-Maschine-Symbiose beruhen und einem Organismus ähneln wird
  • Schaffung von Leben (biologisch)
  • Eroberung des Weltraums
  • Sättigung des Universums mit von der Erde stammender, trans/posthumaner Intelligenz

Derzeitige Bemühungen zum „Human Enhancement“ sind wesentlich bescheidener und konzentrieren sich zunächst auf Kognition, Sinne, Stärke, Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Körpergröße und Stimmung, Emotionen sowie psychische Verfassung.

Entscheidend für radikale Enhancement-Maßnahmen sind eine stärkere Modifikation des Körpers selbst, mit der weiterreichenden Vision der Überwindung menschlicher Körperlichkeit oder einer Verschmelzung mit Maschinen.

Aktuelle Beispiele sind Deep Brain Stimulation (DBS), vor allem bei Parkinson, aber auch schon testweise bei Depressionen sowie Steuerung von Maschinen (auch Bedienen von Computern) durch Gehirn-Computer-Schnittstellen (auch implantiert), vor allem für Gelähmte, aber auch schon für Computerspiele.

Zudem gibt es weiterreichende Visionen einer Cyborgisierung des Menschen, artifizieller Gedächtnisspeicher, totaler Kontrolle der Emotionen und der weitverbreiteten Steuerung von Maschinen per „Gedankenkraft“.

Popkultur und Transhumanismus

Besonders in der Popkultur sind transhumanistische Ideen allgegenwärtig, nicht nur in Science Fiction, auch in Games, Musik und der Werbung.

 

Fazit und Diskussion

Zu klärenden Fragen sind:

  • Wie stellt man Verteilungsgerechtigkeit und Anforderungen an das Gesundheitssystem sicher?
  • Wie mit gesellschaftlichen Druck/Zwang zu Human Enhancement umgehen?
  • Von der Leistungsgesellschaft zur Leistungssteigerungsgesellschaft?
  • Fragwürdige Verwendung / Verschwendung von forschungs-, technologie- und gesundheitspolitischer Ressourcen für unrealistische Visionen?
  • Gibt es eine Verpflichtung zu Human Enhancement für bestimmte Berufsgruppen oder Situationen (SoldatInnen, ÄrztInnen, PilotInnen etc.)?
  • Werden sozioökonomische Ungleichheit biologisch verfestigt?
  • Befördert der Transhumanismus ein fragwürdiges Menschenbild und ebenso fragwürdige Zukunftsvisionen?

Social Media im B2B-Umfeld

Social Media DialogViele Unternehmen stellen die Frage: Bringt mir Social Media im B2B-Umfeld etwas? Für alle ist klar, dass in der Kommunikation mit Endkunden und Konsumenten niemand mehr an Social Media vorbei kommt. Aber im Business-Umfeld, lohnt da der Einsatz? Erreicht man damit seine relevanten Entscheider? Kann man über den Dialog hinaus auch wertvolle Leads generieren?

Kommunikation und Kanäle

dimedis als B2B-Unternehmen sagt ganz klar „Ja“ zu Social Media, denn es bieten sich nicht nur Chancen in speziellen Plattformen für den Businesseinsatz wie Xing oder LinkedIn. Auch auf Facebook und Twitter tummeln sich relevante Köpfe und Meinungsmacher. Was man im Einzelnen machen kann, um mit Social Networks seine Kommunikation zu verbessern, dazu möchte dieser Beitrag einen Überblick geben:

Persönliche Beziehungen stehen im B2B Marketing genauso im Mittelpunkt wie im Konsumentenmarkt, deshalb ist Social Media wichtig. Mit den sozialen Netzwerken pflegen und knüpften Menschen Beziehungen, die idealerweise vertieft und zu Leads verwandelt werden und so zumindest langfristig einen messbaren Return-on-Investment erzielen.

Dazu ist eine Strategie nötig, ein Plan, wen man über welchen Kanal mit welchen Inhalten und Botschaften erreichen will.

Dabei sollten folgenden Fragen als Leitfaden gelten:

  • Auf welchen Social-Media-Kanälen bewegen sich die relevanten Zielgruppen beruflich und privat?
  • Mit welchen Problemen beschäftigen sich die Zielgruppen? Welche Wünsche haben sie?
  • Wie informieren sie sich über mögliche Lösungen für ihre Probleme, wen fragen sie um Rat?
Social Networks
Social Media ist sehr gut geeignet für das B2B-Umfeld (Quelle: pepsprog / pixelio.de)

LinkedIn und XING

In der umfangreichen Befragung Social Media Landscape von B2B Marketing“ wird LinkedIn als beliebtestes Netzwerk der B2B-Marketer identifiziert. XING ist das deutsche Pendant. Beide Netzwerke sind dezidiert für das Businessumfeld konzipiert und empfehlen sich in jedem Fall. dimedis hat auf LinkedIn wie auf XING Unternehmesprofile, über die wir unsere Nachrichten und Links streuen. Kunden, mögliche Bewerber, Mitarbeiter und Interessenten erfahren so auch auf diesen Kanälen spannende Best Cases, offene Stellen und allgemeine Branchennews.

XING bietet zudem auch Produktseiten, die aber aus unerklärlichen Gründen nicht mit dem Unternehmensprofil verlinkt sind. Im Großen und Ganzen ist LinkedIn für das internationale Geschäft relevanter.

Neben den Unternehmensprofilen bieten diese Netzwerke Gruppen an, in denen sich Fachleute zu unterschiedlichsten Themen austauschen. Hier bieten sich große Chancen, sich mit relevanten Leuten zu vernetzen, seine eigene Expertise unter Beweis zu stellen und bei Fragen zu helfen. Die Fachgruppen sind nicht nur wertvoll, um auf eigene Lösungen zu verweisen. Man kann da auch eigene Probleme diskutieren und beobachten, was die Branche derzeit bewegt, was die Mitbewerber anbieten und welche Trends zu erkennen sind.

Es gibt Gruppen zu fast jedem Thema und zu diversen Branchen. Wenn es ein Thema noch nicht gibt, lohnt es eine Gruppe einzurichten und diese mit Inhalten zu bestücken. So haben wir bei dimedis auf XING die Digital Signage Fachgruppe „DSD Digital Signage Deutschland“ ins Leben gerufen und sprechen mittlerweile über 600 Leute darüber an.

XING
Auf Businessnetzwerken wie XING diskutieren Fachleute in Gruppen über relevante Themen. Hier die XING-Gruppe „DSD – Digital Signage Deutschland“

Facebook

Facebook ist auf den ersten Blick ein privates Netzwerk. Das heißt aber nicht, dass man darauf keine B2B-Entscheidungsträger erreichen kann, denn die User entscheiden nicht zwischen beruflichen und privaten Interessen. Als größtes Social Network der Welt, findet man da mehr Personen als in allen anderen Netzwerken. Eben auch die Entscheider. Während es für viele B2B-Unternehmen schwierig ist, eine aktive Community aufzubauen, bieten Facebook Ads dank genauer Targeting-Möglichkeiten gute Chancen zur Reichweitensteigerung.

Auch Facebook bietet Fanseiten, die man als Unternehmensprofil pflegen kann sowie Gruppen, wie bei XING und LinkedIn, um zu einem spezifischen Thema zu diskutieren, wie etwa unsere Digital Signage Gruppe.

Twitter

Twitter ist in Deutschland nicht so groß wie im angloamerikanischem Raum und hat Schwierigkeiten zu einem Dienst für die Massen zu werden. Gerade in Deutschland kann man Twitter eher als Netzwerk für Experten und Meinungsführer bezeichnen. Kein anderer Dienst erlaubt Insights von Akteuren und Dialoge über Hashtags zu verfolgen, um Trends in einer Branche zu erkennen. So etwa, wenn wir bei dimedis schauen, wer was über den Hashtag #DigitalSignage postet.
Man kann seinen Kunden folgen und so erfahren, was sie bewegt. Oder potentiellen Kunden auf Twitter folgen und in einen Dialog mit ihnen treten, etwa wenn da Probleme skizziert werden, die mit dem eigenen Produkt gelöst werden können.

Twitter ist auch toll, um Journalisten auf dem Laufenden zu halten.

Blog

Ein eigener Blog ist ein absolutes Must-have im B2B Marketing. Der Blog ist das Gefäß für alle Inhalte, der digitale Hub, um den zielgruppenspezifischen Content zu streuen. Über den Link zum Blogpost wird der Inhalt auf die Social Networks wie Facebook, LinkedIn, XING oder Twitter geteilt, kommentiert und weiter gereicht. Nicht der einzige Vorteil eines eigenen Blogs: auch Google liebt aktuelle Inhalte, die verlinkt werden und beschert so ein besseres Ranking in der Suche. Man wird besser gefunden und kann mehr Leads generieren, wenn man relevanten Inhalt zu einem Thema liefert! So gelingt es uns, dimedis und seine Produkte besser findbar zu machen, indem wir zum Beispiel einen Blogbeitrag über die Wirksamkeit von Digital Signage posten. Wer heute bei Google „Wirksamkeit Digital Signage“ eingibt, wird als erstes auf diesen Blogbeitrag verwiesen.

YouTube

Ein Bild sagt mehr aus als tausend Worte. Ein Video mehr als tausend Bilder: Video ist einer der erfolgreichsten Content-Formen im B2B Marketing. Zu diesem Schluss kommt die oben genannte Social-Media-Studie. Mit Videos lassen sich wunderbar komplexe Zusammenhänge erklären. Es gibt diverse Videoplattformen, YouTube von Google ist der größte Dienst. YouTube ist nicht nur eine Plattform für Videos, es ist letztlich die zweitgrößte Suchmaschine und ein Community-basiertes Social Network.
Gerade How-to Videos bieten große Chancen im B2B-Umfeld. Dazu sollte man nicht reine Werbevideos posten, es geht vielmehr um konkrete Hilfen bei Problemen.
YouTube-Videos lassen sich sehr gut in die eigene Webseiten einbauen und Produkte illustrieren.

Flickr

Jedes Unternehmen benötigt professionelle Fotos, egal ob Produktdarstellungen oder Corporate-Motive. Fotos sind in allen Marketing-Materialien nötig. Somit besitzt jedes Unternehmen eine große Auswahl an Fotomaterial, warum nutzt man diesen Schatz nicht und lädt ihn auf Flickr hoch, ins eigene Unternehmensprofil? Alben für einzelne Produktgruppen oder Themen erleichtern die Suche. Flickr ist sehr gut als erweitertes Bildarchiv nutzbar, etwa für die Presse. Zudem ist man sichtbar, sobald jemand nach einem Begriff sucht. Dazu muss man die Fotos gut und sauber taggen und beschriften.

Slideshare

Ein Netzwerk wird gerade im B2B-Umfeld unterschätzt: Slideshare. Erst kürzlich vom Businessnetzwerk LinkedIn aufgekauft, versammelt Slideshare Millionen Präsentationen zu allen möglichen Themen. Auch dort kann man ein Unternehmensprofil anlegen und Präsentationen sowie Dokumente hochladen. Diese lassen sich dann auf Webseiten einbinden, über andere Social Media Netzwerke streuen und kommentieren. Ideal, um die eigene Expertise anzubieten und findbar zu machen!

Handlungsempfehlungen

Zunächst sollte man sich die einzelnen Social Networks und ihre Eigenheiten genau anschauen. Jedes hat eine eigene Bildsprache und eine eigene Mechanik, es finden sich unterschiedliche Zielgruppen und Erwartungen. Es gehört eine Portion Geduld und Experimentierfreude dazu, ein entsprechendes Feingefühl zu entwickeln.
Social Networks sind Dialogkanäle, demnach „nur“ das Werkzeug. Ohne Strategie gibt es dort keine erfolgreiche Kommunikation. Eine wirkungsvolle Strategie besteht darin, sich zu einem Meinungsführer innerhalb der Branche zu machen. Natürlich ist Expertise notwendig, diese setzen wir einmal voraus. Dann gilt es das entsprechend aufzubauen. Hier einige Tipps, wie das gelingen kann. Die Tipps sind dem Blogbeitrag  „B2B Marketing: Wie Sie die Meinungsführerschaft an sich reißen“ entnommen:

  1. Verkaufen Sie im ersten Schritt nichts außer Lösungsideen
  2. Bleiben Sie am Ball
  3. Schränken Sie Ihre Zielgruppe ein
  4. Setzen Sie sich mit den Bedürfnissen Ihres Publikums auseinander
  5. Sprechen Sie in der Sprache Ihrer Zielgruppe
  6. Steigen Sie in Diskussionen ein
  7. Teilen Sie Ihr Wissen
  8. Sprechen Sie öffentlich über Ihr Thema
  9. Betreiben Sie PR
  10. Nutzen Sie Social Media
  11. Suchmaschinenoptimierung

Fazit

Erfolgreiches Social Media im B2B-Marketing ist nötig und möglich! Es ist eine Kombination aus Networking und Content Marketing. Um erfolgreich zu sein, müssen alle Aktivitäten zu den Zielgruppen passen und einen Mehrwert bieten. Weniger Werbung als Empfehlung, Best Cases, Anleitungen, Unterstützung. Dabei gilt es die Stärken und Schwächen einer jeden Plattform zu kennen. Inhalte sollten angepasst werden, je nach Kanal. Und den Dialogcharakter nicht vergessen, bei Diskussionen in Gruppen nicht nur posten, sondern auch andere Posts kommentieren, auf Fragen eingehen, mitlesen. Dann steht einer erfolgreichen Leadgenerierung nichts im Wege!

Gastbeitrag im Blog „Zukunft des Einkaufens“ über Digital Signage und Gamification

Nach der EuroShop in Düsseldorf hatte ich die Ehre, für den Fachblog „Zukunft des Einkaufens“ einen Gastbeitrag zu verfassen. Thema: Gamification und Digital Signage für den POS.

Über „Zukunft des Einkaufens“

„Der stationäre Handel hat die wunderbare Aufgabe, sich komplett neu erfinden zu dürfen. In den letzten 15 Jahren hat eCommerce den Point of Sale virtualisiert und jederzeit verfügbar gemacht. Das geht nicht ohne Veränderung des Konsumverhaltens einher. Der Konsument von heute ist ein absoluter Profi, der alle Informationen über Preise, Verfügbarkeiten und Qualitäten in Sekundenschnelle verfügbar hat. Was aber immer bleiben wird: Der Konsument ist ein Mensch, der emotional reagiert und unterbewusst handelt, sonst wäre er ja der berühmte „Homo Oeconomicus“, den es bekanntlich nicht gibt.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die stationären Händler, die es geschafft haben, sich neu zu erfinden, eine große Zukunft haben. Diese Zukunft zu beschreiben ist Inhalt von ZUKUNFT DES EINKAUFENS. Wir fördern die Diskussion und Weiterentwicklung von Handelskonzepten und innovativen Ideen, begleiten unsere Kunden auf ihrem Weg, schaffen ein öffentliches Bewusstsein und helfen Händlern und Konsumenten, die Chancen der Digitalisierung zu ergreifen.“

Hier ist der Beitrag zu finden!

Lesehinweis: Mein Gastbeitrag zum Thema Gamification

logoDie Bertelsmanntochter arvato bat mich, für Ihren Blog einen Beitrag zum Thema Gamification als ein Werkzeug der digitalen Transformation von Unternehmen zu verfassen. Da ich einige Wochen zuvor für die Axel-Springer AG eine Präsentation halten durfte zum gleichen Thema, habe ich meine Learnings in den Text gepackt.

Zu lesen hier im arvato-Blog, wo ich vorher auch in einem Interview über die Rolle des Bloggens im B2B-Umfeld Stellung bezogen habe.

Mit Digital Signage am PoS das Online-Angebot nutzen und Interaktion fördern (Vortrag)

Ich habe am 25. Februar 2015 beim Twittwoch Köln einen Vortrag mit dem Titel „Mit Digital Signage am PoS das Online-Angebot nutzen und Interaktion fördern“ gehalten. Der Twittwoch hat sich den Lokalen Einzelhandel vorgeknöpft und die Frage gestellt, wie man das Digitale in den stationären Handel integrieren kann. Was passt da besser als Digitale Werbefläche aka Digital Signage. Mit Digital Signage lassen sich grundlegende Kommunikations- und Verkaufsprozesse optimieren. Es geht darum die Strategie für die eigene Webpräsenz und Social Media Aktivitäten zu verlängern. Durch Interaktion mit den Betrachter (über Smartphone, Touch, iBeacon, RFID, QR-Codes) kann am POS individuell angesprochen werden.

Hier das Video in voller Länge

 

Twitter über den Twittwoch in Köln #twcgn


Ein bisschen die Welt retten – Tiere essen?

Eine Hiobsbotschaft folgt der anderen: Kriege, Umweltkatastrophen globalen Ausmaßes, Finanzkrisen. Wie kann der Einzelne dazu beitragen, die Welt ein klein wenig besser zu machen? In einer Welt, in der wir nicht mehr überschauen, welche Auswirkungen unser Handeln (oder Nicht-Handeln) besitzt, in der die Probleme so komplex sind, dass wir als Einzelne (vermeintlich) nichts bewirken können?

Wir erfahren, dass unsere Öko-Bilanz nach jedem Langstreckenflug desaströser ausfällt uns alle übrigen Bemühungen wie das Nutzen von Energiesparlampen  im Vergleich dazu unbedeutend werden.  Was gilt es nun zu tun? Sollten wir doch nicht lieber aufgeben und so weiter machen wie bisher?

Entscheidende Stellschrauben identifizieren

Wir haben oft ein Problem der Priorisierung in unserem ethischen, ökologischen und ökonomischen Verhalten, wie es der Soziologe Preisendörfer eindrucksvoll in seinen Vortrag „Persönliches Umweltverhalten. Überlegungen und Befunde zur Definition und zu Bestimmungsfaktoren“ belegt, den er am 29. August 2014 an der Sommeruni (Kooperation der Berliner Akademie und der Freien Universität) gehalten hat. 

Was also tun? Es gibt wohl kein Nicht-Handeln, das so markant wirkt wie der Verzicht auf Fleisch: ethisch zweifelsohne angesichts der Massentierhaltung angebracht, extrem wirksam in der Bekämpfung des Klimawandels (die intensive Tierzucht verursacht mehr Emissionen als der gesamte Verkehr). Nicht zu sprechen von den anderen positiven Wirkungen: für die eigene Gesundheit, da der Großteil der sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Herzkrankheiten, Diabetes, Übergewicht und Krebs auf den massiven Verzehr von tierischen Eiweißen und Fetten zurück geführt werden können.

Denkblockaden und Traditionen

Warum essen wir Tiere, die eingepfercht sind, vollgepumpt mit Antibiotika, gequält und geschunden, überhaupt nicht artgerecht gehalten, um dann umgebracht zu werden? Wieso wissen wir so wenig von den Haltebedingungen und erfahren auch nichts von den Betrieben, die Tiere halten und schlachten? Weil wir dann schnell erkennen, dass es falsch ist. Wir müssen Denkblockaden aufheben und beginnen kritisch zu hinterfragen, was wir tun. Denn die Industrialisierung der Fleischwirtschaft ist nicht mehr hinnehmbar. Für scheinbar billiges Fleisch muss die Allgemeinheit durch Umweltverschmutzung (Gülle im Trinkwasser, Brandrodung, Monokultur) und Gesundheitsrisiken „zahlen“, ganz zu schweigen von den ethischen Fragen rund um Tierschutz und -rechte.

Sehen so glückliche Hühne aus? (Bild: Nico Lubaczowski  / pixelio.de)
Sehen so glückliche Hühne aus? (Bild: Nico Lubaczowski / pixelio.de)

Die Berichte über Tierquälrereien in der Fleischindustrie sind eben keine Ausnahme, sondern gar nicht zu verhindern in diesem System, in dem die Tierfabrikarbeiter nach den Tieren die nächsten Opfer sind, die einem immensen Druck standhalten müssen, der nur einem Diktat unterliegt: dem Profit und der Rentabilität.

Wir haben ein naives Bild von Landwirtschaft im Kopf, das geprägt ist von der Werbung und sich aus Märchen und Erzählungen früherer Generationen speist.

Machtfaktor Konsum

Wie uns die Systemtheorie aus der Soziologie zeigt, kann man ökonomische Systeme schwerlich mit Moral ändern, sondern nur über die „Sprache“, die das System versteht. Massentierhaltung und -schlachtung kann nur überwunden werden, wenn die Produkte nicht mehr abgenommen werden. Die Macht des Konsumenten besteht genau darin, viele Boykottaufrufe und Konsumverweigerung haben schon einige in die Knie gezwungen und werden von der Fleischindustrie gefürchtet wie das Weihwasser vom Teufel.

Bevor der Konsument entscheiden kann, muss er sich ein Jeder im wahrsten Sinne ein Bild machen von den Zuständen. Wie in der Textilindustrie, sollten Verbraucher nach den Bedingungen fragen, unter denen das „Produkt“ ensteht und sich genau anschauen, welche Schäden für Gesellschaft und Gesundheit daraus resultieren. Und anders als bei Kleidung verleiben wir uns Fleisch in unsere Körper ein. Wie kann man da gleichgültig sein?

Ich empfehle zur Aufklärung das Buch „Tiere essen“ des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer, der nach der Geburt seines Kindes sich die Frage gestellt hat, was er seinem Nachwuchs zu essen geben soll.

Mein Fazit und die Lehre: Man sollte beginnen, weniger Fleisch zu essen, bei kleinen Bauern aus der Region kaufen. Oder idealerweise gleich vegetarisch oder noch besser vegan leben. Das ist die einzige logische Schlussfolgerung. Ich bin nicht vegetarisch aufgewachsen und lebe auch nicht in einem Milieu, das das goutiert. Daher habe ich die Hoffnung, das Einsicht möglich ist – bei mir hat es ja auch geklappt!. Das Buch von Jonathan Safran Foer hat bei mich eindrucksvoll gelehrt, dass  Worte wirken!