2. Bundestags-LAN: Wie steht es um die Akzeptanz der Games-Branche in der Politik?

2955127Die zweite Bundestags-LAN fand gestern statt, auf Einladung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages Dorothee Bär (CSU), Manuel Höferlin und Jimmy Schulz (beide FDP). Im Mittelpunkt der 2. Politiker-LAN stand der Dialog mit der digitalen Spielewirtschaft über die wirtschaftlichen Chancen und Potenziale von Computer- und Videospielen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler eröffnete die Veranstaltung mit einer Keynote zur wirtschaftspolitischen Bedeutung der digitalen Spieleindustrie. In einem Ausstellungsbereich wurden Computer- und Videospiele sowie Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Games-Technologie und -Mechaniken in anderen Wirtschaftsbereichen präsentiert.
Nach der Keynote von Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler fand eine Diskussionsrunde mit Prof. Alexander Moutchnik (Mediadesign Hochschule München), Dr. Simone Kimpeler (Fraunhofer ISI), Odile Limpach (Blue Byte) und Dr. Maximilian Schenk (BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) über die aktuellen Chancen und Herausforderungen der digitalen Spielewirtschaft statt. Der Ausstellungsbereich auf der Fraktionsebene des Deutschen Bundestages wurde in die Bereiche „Augmented und Virtual Reality“, „Gamebased Learning“, „Simulationen“, „Künstliche Intelligenz“ und „Motion Capture und Tracking“ unterteilt.

Was ist passiert?

Stellt sich mir die Frage, was politisch seit der ersten Bundestags-LAN passiert ist. Ich war maßgeblich bei der Konzeption der ersten Politiker-LAN beteiligt und weiß, wie mühsam es war, die Bundestagsverwaltung von der Sinnigkeit einer solchen Veranstaltung zu überzeugen.

Die Medienresonanz war beim ersten Mal gewaltig, viel mehr als jetzt. Aber das Interesse von Seiten der Abgeordneten war mau. Wenn das Ziel darin bestand, die Abgeordneten zu erreichen, dann hat die Veranstaltung versagt.

Dennoch gebührt den Machern Jimmy SchulzDorothee Bär und Manuel Höferlin reichlich Respekt für ihr Bemühen, digitale Spiele salonfähig zu machen.

Denn als Fazit meiner jahrelangen Tätigkeit bleibt für mich die Erkenntnis, dass die Mehrzahl der politischen Elite einfach kein Interesse hat an digitalen Spielen und wenn überhaupt erst bei einer Skandalisierung nach einem Amoklauf (Gewaltdebatte) sich dazu positioniert. Daher ist der Ansatz, die technologischen Errungenschaften der Games-Branche für andere Wirtschaftsbereiche herauszustellen, genau richtig: Innovationen sind der Motor einer wissensbasierten Wirtschaft. Da kann man mit wirtschaftspolitischen Argumenten zumindest einige Politiker begeistern. Aber eine grundsätzliche Akzeptanz einer Kreativindustrie ist das nicht. Wo bleibt der Stolz auf eine Produktion wie Crysis? Wann werden Spiele wie Filme geschätzt um ihrer selbst willen? Ohne nützlich sein zu müssen. Erst dann ist Normalität. Also noch viel zu tun. Da sind Initiativen wie die Politiker-LAN nützlich, um Argumente für Games zu pushen. Daher schließe ich den Beitrag mit Statements der Initiatoren und der Hoffnung, dass diese mehr Gehör erhalten in Zukunft.

Statements zur 2. Politiker-LAN

Jimmy Schulz: „Ich freue mich sehr, dass heute Nachmittag die 2. Politiker-LAN im Deutschen Bundestag stattfinden wird. Nachdem die Abgeordneten vor zwei Jahren die Chance hatten, sich mit dem Thema Computerspiele vertraut zu machen, konzentrieren wir uns heute auf die Games-Industrie als Wirtschaftsfaktor.
Computerspiele sind Antrieb für Wirtschaft und Forschung. Der deutsche Computerspielmarkt ist ein sehr wichtiger Teil der Deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2012 hat die Games-Industrie einen Gesamtumsatz von fast 2 Milliarden gemacht. Auch leistet sie einen großen Beitrag zur Entwicklung neuer Technologien. Der deutsche Computerspielmarkt ist heute und wird auch in Zukunft ein wichtiger Impulsgeber für die Wirtschaft in Deutschland sein. Es ist mir deshalb eine große Freude, heute Nachmittag Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler begrüßen zu dürfen.“

Manuel Höferlin: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Computerspieltechnologie nicht nur im Bereich Gaming, sondern durch Übertragungseffekte gerade in anderen Branchen wertvolle Chancen generiert, die unser tägliches Leben, Ausbildung und Forschung revolutionieren. Games sind viel mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Das möchten wir anhand verschiedener Austeller aus den Bereichen Bildung, Health Care, Robotik und Marketing zeigen.
Wir möchten mit unseren Kollegen im Bundestag die Chancen und Herausforderungen für die Computerspielindustrie in Deutschland diskutieren. Deswegen wird im Anschluss an die Einführung von Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler eine Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft stattfinden.“

Dorothee Bär: „Damit unsere Kollegen das große gesellschaftliche und wirtschaftliche Potenzial der Computerspielbranche durch seine Übertragungseffekte auf andere Branchen verstehen, haben wir einen sehr großen Ausstellungsbereich vorbereitet. Ob in der Gesundheitsbranche, wo Spieltechnologie im Operationssaal benutzt wird, oder bei der Städte- und Industrieplanung – zum Beispiel um eine Straßenbahnlinie für Bürger zu visualisieren oder in Trainingstools für Krisenfälle auf Ölplattformen – die Technologien sind für Abgeordnete aus den unterschiedlichsten Bereichen interessant.
Nach der Podiumsdiskussion haben die Abgeordneten die Möglichkeit, sich verschiedene Spiele und Technologien anzuschauen und auszuprobieren. Der Ausstellungsbereich ist in fünf Inseln zu den Themen „Augmented Reality“, „Gamebased Learning“, „Simulationen“, „Künstliche Intelligenz“ und „Motion Capture and Tracking“ aufgeteilt. Um 18:15 Uhr wird es zusätzlich einen Presserundgang zu ausgewählten Spielestationen geben.“

Infos zur 2. Politiker-LAN beim BIU

Blogbeitrag von Martin Lorber mit Eindrücken von der 2. Politiker-LAN

4 thought on 2. Bundestags-LAN: Wie steht es um die Akzeptanz der Games-Branche in der Politik?

  1. „Denn als Fazit meiner jahrelangen Tätigkeit bleibt für mich die Erkenntnis, dass die Mehrzahl der politischen Elite einfach kein Interesse hat an digitalen Spielen und wenn überhaupt erst bei einer Skandalisierung nach einem Amoklauf (Gewaltdebatte) sich dazu positioniert.“ – Das sehe ich ganz und gar anders. Bundeswirtschaftsminister Rösler hat zum Beispiel bei seiner Rede anlässlich der Politiker-LAN ganz deutlich darauf hingewiesen, dass all die vorgestellten Möglichkeiten keine Feigenblättchen sind, frei nach dem Motto: „Seht her, wir machen zwar Spiele, aber damit kann man auch sinnvolle andere Dinge machen.“ Vielmehr kann und soll die Branche sich ihrer Leistungen und ihrer Bedeutung voller Stolz bewusst sein: „Games sind – als Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft – wichtig für die Gesellschaft, allein schon, weil sie die Menschen durch Unterhaltung froh und glücklich machen können.“ Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie tief verankert das Bewusstsein um die Bedeutung digitaler Spiele in der Politik ist. Ein anderes ist die Diskussion über Computerspiele auf der CDU-Medianight ebenfalls in dieser Woche. Martin Lorber (www.spielkultur.ea.de)

  2. Die rosige Darstellung der Zustände in unserer Gesellschaft halte ich doch für stark übertrieben. Klar gibt es einige Ausnahmen, aber hier wurde ja auch von der Mehrzahl der Leute gesprochen. Auf den Fotos von der 2. Bundestags-Lan sehe ich nicht annähernd 600 Abgeordneten und Staatssekretäre. Wo sind die denn alle, wenn das Bewusstsein für Computerspiele vorhanden ist? Selbstverständlich werden nie alle Interessierten so eine Veranstaltung besuchen, aber meiner Ansicht nach wird hier von einer Minderzahl auf das große Ganze geschlossen, was nicht unbedingt repräsentativ ist. Dass es überhaupt ein Umdenken gegeben hat, und es positive Beispiele gibt, liegt sicher auch an Ihrer Arbeit Herr Lorber und an dem Einsatz des Blogbetreibers. Dennoch bleibt noch viel zu tun und eine zu optimistische Weltsicht verstellt dabei wohl möglich den Blick auf die Arbeit die noch vor uns liegt.

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