Gamification

Gamification ist derzeit ein Trend im Marketing. Es ist ein Buzz-Word und wird von vielen eher belächelt, etwa beim letzten Kompetenzgruppentreffen Games des Internetverbands eco zum Thema Serious Games, bei dem Jörg Müller-Lietzkow Gamification als Erfindung windiger amerikanischer Marketing-Leute bezeichnete.

Gamification heißt zunächst nichts weiter als die Ausgestaltung von Prozessen mit spielerischen Elementen, um die Motivation zu steigern. Das kann Marketing sein, aber auch die Anreicherung von Arbeits-, Lern- und Verkaufsprozessen.

Spieleelemente sind Levels, Gratifikationen (Batches, Punkte, …), Wettbewerb, Knobeln, steigende Schwierigkeitsgrade und die Einbettung in eine Narration.

Kritik: Wann ist ein Prozess ein Spiel?

Stellt sich die Frage, ob alle Prozesse für spielerische Herangehensweise geeignet sind und ob alle Elemente des Spiels erwünscht sind: denn Spielen bedeutet eben auch Frust aushalten, Niederlagen einstecken, aufgeben müssen. Und erst das macht es zur Herausforderung. Marketing will aber den Kunden leicht erreichen und unterfordert daher oft die Intelligenz der Nutzer.

Der Soziologe und Netnograph Klaus Jankowitz hebt besonders den Punkt hervor, dass Gamification nur einzelne Elemente nutzt statt ganz aufs Spielen zu setzen, etwa wie Serious Games das tun.

Zudem sind viele Dinge banal. Belohnungen wie Gutscheine und Treuepunkte gibt es seit Jahrzehnten wenn nicht Jahrhunderte. Und Akkordarbeit bleibt Zwang, auch wenn ich das wie ein Wettrennen gestalte. Denn Spielen beinhaltet in den klassischen Spieltheorien als wichtigste Elemente die Freiwilligkeit und Selbstbestimmung sowie das „als-ob“ als Experimentierfeld jenseits realer Zumutungen und Zwänge.

Verletze ich diese Grundsätze, nehme ich dem Spiel seine Unschuld und wirke eher zynisch.

Andererseits bietet Gamification als Sammelbegriff eine gute Möglichkeit darüber nachzudenken, was Spiele leisten in der Motivation von Menschen und in der Entwicklung von Kompetenzen.

Dass das kommerziell genutzt wird liegt in der Natur der Sache.

Gutes Beispiel dafür aus den USA.

Eine wunderbare Präsentation zum Thema Gamification mit reichlich Tiefgang bietet der UX Designer und Games-Forscher Sebastian Deterding:

Ibo Mazari

www.mazari.de

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7 Antworten

  1. Rudolf Inderst sagt:

    Ha! Bist Du am Ende auch in unserem Gamification-Kurs dabei? #coursera

  2. Ibo Mazari sagt:

    Haha, aber gerne! Werde zu dem Thema auch auf den Münchner Medientagen was sagen: http://www.medientage.de/programmdetail.php?panel=700079

  3. Ich glaube das Gamification nicht ohne ethical gamification Patterns funktionieren kann. So eine Art don’t be evil Konzept wie bei Google, damit kurzfristige Ziele und Motivationssteigerungen nicht langfristige Motivation zerstören. Letztens wurde berichtet eine Fluglinie hätte eine Art Highscore Liste der Piloten erstellt und sie nach ihrem Spritverbrauch sortiert. Ergebnis: es häufen sich Notlandungen. Das sollte natürlich nicht sein.

    Kleine Skizze wie Highscores aussehen sollten: http://de.slideshare.net/vadimn/soll-gamification-den-community-manager-ersetzen

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